Behandlung kindlicher Hämangiome | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Die mittlerweile weltweit akzeptierte Einteilung der vaskulären Anomalien nach der International Society for the Study of Vascular Anomalies unterscheidet Hämangiome im Sinne proliferierender Neubildungen, die meist kurz nach der Geburt auftreten, und vaskuläre Malformationen als anlagebedingte Fehlbildungen, die bereits bei der Geburt vorhanden sind. Vaskuläre Malformationen werden je nach Hämodynamik und Morphologie in Low-Flow- und High-Flow-Malformationen (arteriovenöse Malformationen) mit hoher Durchflussrate unterteilt. Gemeinsames Merkmal sind der Fehlbildungscharakter der Läsionen und die nicht gegebene Möglichkeit einer Spontanremission. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind überwiegend Hämangiome von therapeutischer Relevanz. Diese infantilen Hämangiome sind vor allem in der Kopf-/Halsregion lokalisiert und zeigen nach der initialen Proliferationsphase häufig eine Spontanremission. Bei funktionell einschränkenden Hämangiomen um Körperöffnungen und/oder Hämangiomen mit starker Wachstumsneigung besteht jedoch häufig zuvor dringender therapeutischer Handlungsbedarf. Die therapeutischen Optionen umfassen die systemische oder lokale Behandlung mit β-Blockern, die Operation, verschiedene Laserverfahren, die Kontaktkryotherapie oder die Kombination verschiedener Verfahren. Kortikosteroide bleiben mittlerweile Sonderfällen vorbehalten. Die Therapieentscheidung sollte interdisziplinär im Rahmen einer Spezialsprechstunde getroffen werden, ferner ist ein regelmäßiges Follow-up mit fotografischer Befunddokumentation notwendig.

Autoren: S. Reinert, H. Rebmann, U. Ernemann, S. Schnabl, T. Schleich, M. Cetindis
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Betablocker, Hämangiom, Kryotherapie, Laser, Operation
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen; Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Tübingen; Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Universitätsklinikum Tübingen; Hautklinik, Universitätsklinikum Tübingen