Akutbehandlung des Schlaganfalls - Wissenswertes zu gefäßrekanalisierenden Therapien | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Der Schlaganfall als zweithäufigste Todesursache und eine der häufigsten Ursachen für bleibende Behinderung stellt ein wesentliches gesundheitspolitisches Problem dar. Circa 80 % aller Schlaganfälle sind ischämisch bedingt. Für diese Patienten steht als akute gefäßrekanalisierende Therapie die systemische Thrombolyse im Zeitfenster bis 4,5 Stunden nach Symptombeginn zur Verfügung. In Einzelfällen kann aufgrund einer erweiterten Bildgebung eine Thrombolyse auch im späteren oder unklaren Zeitfenster durchgeführt werden. Im Jahr 2015 wurden fünf bahnbrechende Studien zur Katheterintervention (sog. Thrombektomie) beim akuten ischämischen Schlaganfall veröffentlicht, sodass seitdem für bestimmte Schlaganfall-Patienten diese Therapie ein Standardverfahren innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn darstellt. Besonders profitieren von der Thrombektomie Patienten mit schweren Schlaganfällen aufgrund von Verschlüssen der A. carotis interna und der proximalen A. cerebri media (sog. M1-Verschlüsse). Nach neuesten Daten kann eine Thrombektomie in Einzelfällen auch im deutlich erweiterten Zeitfenster (6–24 Stunden) noch sicher und effektiv durchgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen einer erweiterten Bildgebung erfüllt werden. Im Wesentlichen gibt es 3 aktuelle Diskussionspunkte: i) Welche Patienten sollten eine Thrombektomie erhalten und welche nicht? ii) Welches ist das beste periinterventionelle Management? iii) Um eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, ist die Einbindung von Schlaganfallabteilungen in Schlaganfallnetzwerken essenziell. Dabei gibt es unterschiedliche Zuweisungsstrategien, die Gegenstand intensiver Diskussion und wissenschaftlicher Bearbeitung sind.

Autoren: C. Küpper, L. Kellert
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Schlaganfall, Thrombektomie, Thrombolyse, endovaskuläre Therapie, mechanische Rekanalisation
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik und Poliklinik für Neurologie, Ludwig-Maximilians-Universität München; Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg