Familiäre Häufung kolorektaler Karzinome - wann sollte an genetische Diagnostik gedacht werden? | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Ca. 20 % aller kolorektalen Karzinome (KRK) treten familiär gehäuft auf. Der Verdacht auf eine erbliche Disposition ergibt sich, wenn das KRK bei mehreren Blutsverwandten im Zusammenhang mit anderen Krebserkrankungen entweder bei denselben Patienten oder bei verschiedenen blutsverwandten Familienmitgliedern auftritt, wenn das KRK auf der Basis einer Polyposis entstanden ist und wenn die Erkrankten bei Diagnosestellung auffallend jung, d.?h. jünger als 50 Jahre alt sind. Dies trifft auf ca. 5 % aller KRK zu. Bei bis zu 4 % der Patienten mit KRK ergibt sich der Verdacht auf ein »hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom« (HNPCC). Dieser Verdacht kann durch molekularpathologische Untersuchungen (immunhistochemische Untersuchung auf Verlust von MMR-Proteinen und Analyse auf MSI) weiter abgeklärt werden. Finden sich Hinweise auf Erblichkeit, d.?h. eine Keimbahnmutation in einem der MMR-Protein-Gene, kann die Indikation zu einer diagnostischen Genanalyse gestellt werden. Bei ca. 53 % der Patienten wird eine Keimbahnmutation nachgewiesen; jetzt lautet die Diagnose Lynch-Syndrom. Bei bis zu 1 % der Patienten mit KRK besteht eine Polyposis, zumeist eine FAP oder eine AFAP. Noch seltener als diese adenomatösen Polypenerkrankungen sind die harmatösen. Wird bei einem Patienten mit KRK eine Keimbahnmutation festgestellt, so können auf der Basis dieses Befundes gesunde Familienmitglieder prüfen lassen, ob auch sie Anlageträger sind und damit ein nennenswertes Krebsrisiko haben. Dann stehen für sie spezielle Früherkennungsprogramme und ggf. auch prophylaktische Maßnahmen zur Verfügung, welche in den S3-Leitlinien zusammengefasst sind.

Autoren: M. Isau, E. Gödde
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Gentest, HNPCC, MMR-Proteine/ MSI, Polyposis, erbliches Krebsrisiko
ISSN: 0009-4846
Institut: Medicover Genetics GmbH, Berlin; Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/ Herdecke, Recklinghausen