Pyogener Leberabszess als Differenzialdiagnose im Rahmen von abdominellen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Beim pyogenen Leberabszess bei Kindern und Jugendlichen handelt es sich um ein in Deutschland äußerst seltenes Krankheitsbild, das am häufigsten in Entwicklungsländern diagnostiziert wird. Es ist ein taschenförmiger Defekt unterschiedlicher Größe mit Eiterinhalt im Leberparenchym, der durch eine Infektion mit einem entsprechenden eiterbildenden bakteriellen Erreger erzeugt wurde. Die weltweite Prävalenz wird auf 3–79/100.000 pädiatrische Einweisungen pro Jahr geschätzt. Der häufigste Erreger bei Kindern und Jugendlichen ist nach wie vor Staphylococcus aureus, gefolgt von Infektionen mit typischen Darmbakterien. Vor allem in der westlichen Welt sind Zustände der Immunsuppression oder Traumata prädisponierend, in Entwicklungsländern ist das Krankheitsbild zudem das Resultat von Malnutrition, minderwertiger Hygiene und Krankenversorgung. Die Leber wird hämatogen, lymphogen oder retrograd durch die Gallenwege erreicht. Es ist ein akut lebensbedrohliches Krankheitsbild, das einer schnellen Diagnostik und zügiger Behandlung bedarf. Die Patienten zeigen klinisch diffuse Oberbauchschmerzen, Fieber und Hepatomegalie, in der Labordiagnostik liegt eine Leukozytose, Anämie und erhöhte Konzentration von C-reaktivem Protein vor. Der Goldstandard zum Nachweis ist die Sonografie, komplettierend soll eine CT oder MRT erfolgen. Die Therapie basiert – je nach Ausmaß – auf einer Kombination aus breiter antibiotischer Behandlung, sonografisch gesteuerter, perkutaner Punktionen oder Drainageanlagen und nur selten einer chirurgischen Entlastung. Durch zeitgerechte und adäquate Behandlung hat sich die Mortalität mit dieser Kombination von über 40 % vor 1980 auf aktuell etwa 7 % reduziert.

Autoren: J. Baastrup, S. Engler
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Kindlicher Leberabszess, Prognose, Symptome, Therapie, Ätiologie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel