Laparoskopische Sleeve-Gastrektomie | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Einleitung: Die laparoskopische Sleeve-Gastrektomie ist derzeit die weltweit am häufigsten eingesetzte Operationsmethode bei Adipositas und deren Komorbiditäten. Folgt die Indikationsstellung zur bariatrischen und metabolischen Chirurgie zumeist den Vorgaben entsprechender einheitlicher nationaler und internationaler Leitlinien, so differiert dies bei der Auswahl des Operationsverfahrens oft ganz erheblich. Die gewählte Operationstechnik ist häufig nicht nur auf die individuelle Situation des Patienten und dessen Komorbiditäten abgestimmt, sondern es nehmen auch Wünsche des Patienten oder Erfahrungen und Expertise des Operateurs und der jeweiligen Institution Einfluss auf die Verfahrenswahl. Es ist daher eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der laparoskopischen Sleeve-Gastrektomie erforderlich. Material und Methoden: Es wurden mittel- und langfristige Ergebnisse der laparoskopischen Sleeve-Gastrektomie in den neuesten publizierten Metaanalysen, Reviews und randomisierten Studien (PubMed) analysiert und gewertet und mit dem laparoskopischen Y-Roux-Magenbypass verglichen. Ergebnisse: In den veröffentlichten Metaanalysen, Reviews und kontrolliert randomisierten Studien stellt die laparoskopische Sleeve-Gastrektomie ein etabliertes und standardisiert durchführbares Operationsverfahren zur Behandlung der Adipositas und metabolischer Erkrankungen dar, was zu einer erheblichen und anhaltenden Gewichtsreduktion sowie zur Verbesserung und Remission bestehender Komorbiditäten führt. Einige Metaanalysen, Reviews und kontrolliert randomisierte Studien ergaben zwar vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich Gewichtsverlust (excess weight loss), Remission eines vorbestehenden Diabetes mellitus Typ 2 und weiterer Komorbiditäten mit alternativen etablierten Operationsverfahren wie dem Y-Roux-Magenbypass, dennoch zeigt sich ein Trend, dass der Y-Roux-Magenbypass und malabsorptive Operationsverfahren bei metabolischen Begleiterkrankungen und Vorliegen einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) favorisiert werden. Schlussfolgerung: Die laparoskopische SleeveGastrektomie stellt ein standardisiertes und etabliertes Operationsverfahren im Rahmen der Adipositas-Chirurgie dar. Insbesondere bei morbidadipösen Patienten mit einem BMI >60 kg/m² ist sie häufig alternativlos. Dennoch deutet sich in Langzeituntersuchungen an, dass insbesondere bei vorbestehendem Diabetes mellitus Typ 2 malabsorptive Operationsverfahren wie der Y-Roux-Magenbypass aufgrund längerfristig anhaltender Remissionsraten bevorzugt werden sollten. Auch bei Vorliegen einer GERD ist die Durchführung einer laparoskopischen SleeveGastrektomie kritisch zu hinterfragen, da sich die Refluxsymptomatik postoperativ häufig verschlechtert oder aggraviert. Es ist daher erforderlich, dass ein verantwortungsbewusster Operateur mehrere Operationsmethoden sicher beherrscht und diese abhängig von der individuellen Situation des Patienten und seiner Begleiterkrankungen einsetzt.

Autoren: H. Tigges, S. Pranzetti
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Adipositas, Body-Mass-Index (BMI), Chirurgie der Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, excess weight loss, laparoskopische Sleeve-Gastrektomie, laparoskopischer Y-Roux-Magenbypass
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Klinikum Landsberg am Lech