Aktuelle Therapiekonzepte bei Acetabulumfrakturen | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Bei Acetabulumfrakturen liegt eine zweigipflige Häufigkeitsverteilung vor. Während bei jungen Patienten insbesondere Hochrasanztraumen und Stürze aus großen Höhen ursächlich sind, können beim geriatrischen Patienten mit ausgeprägter Osteoporose oft auch nur Bagatelltraumen zur Acetabulumfraktur führen. Die genaue Klassifikation der jeweiligen Fraktur ist wichtig für die Beurteilung der Stabilität und der Indikationsstellung für die konservative oder operative Versorgung. Abgesehen von Frakturen des hinteren Pfeilers und der hinteren Wand, die über den dorsalen Zugang versorgt werden, geht der Trend bei allen anderen Frakturen zum intrapelvinen oder Pararectus-Zugang. Grundsätzlich ist die Wiederherstellung der Gelenkkongruenz für die Vermeidung einer posttraumatischen Arthrose von größter Bedeutung, wobei die Weichteiltrophik und Hüftkopfdurchblutung keinesfalls kompromittiert werden dürfen. In selektiven Fällen kann daher eine möglichst gering invasive Osteosynthese als Vorbereitung zur sekundären Endoprothetik sinnvoll sein. Die primäre Frakturendoprothetik wird meist bei Vorliegen von nicht rekonstruierbaren Defektsituationen, ausgeprägter Osteoporose oder zusätzlichen proximalen Femurfrakturen ggf. mit additiver Osteosynthese durchgeführt. Während beim jüngeren Patienten die anatomische Rekonstruktion im Vordergrund steht, spielt beim geriatrischen Patienten grundsätzlich auch die Forderung zur frühfunktionellen Mobilisierung bei der Therapiewahl eine entscheidende Rolle.

Autoren: K. Gelse
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Acetabulumfraktur, Biomechanik, Klassifikation, Osteosynthese, Zugangswege
ISSN: 0009-4846
Institut: Unfallchirurgische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen