Laparoskopie in der gynäkologischen Onkologie | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Die Laparoskopie in der gynäkologischen Onkologie hat in Abhängigkeit von der Tumorentität einen diagnostischen und/oder therapeutischen Stellenwert. Beim Endometriumkarzinom ist die Laparoskopie in den Frühstadien und »low risk«-Fällen das therapeutische Verfahren der Wahl, da die Datenlage eine onkologische Gleichwertigkeit bei kürzerer Rekonvaleszenz-Zeit und geringerer kurzfristiger Morbidität belegt. In »high risk«-Fällen ist die Datenlage unklar, da die Bedeutung der Lymphonodektomie für Rezidivrisiko und Langzeitüberleben, unabhängig vom Zugangsweg, noch nicht abschließend geklärt ist. Beim Ovarialkarzinom dient die Laparoskopie der Diagnostik unklarer Ovarialtumoren, der Beurteilung der Tumorausbreitung und der histologischen Diagnosesicherung für eine spezifische Therapieplanung. Hierbei ist insbesondere bei Patientinnen mit diffuser Peritonealkarzinose und Aszitesbildung die offene Laparoskopie hilfreich, Ovarialkarzinom-Patientinnen zu identifizieren, mit anschließender Einleitung einer durch die internationalen Leitlinien akzeptierten neoadjuvanten Chemotherapie. Darüber hinaus können durch die Laparoskopie bei bis zu 10% der Fälle bei vermutetem Ovarialkarzinom andere onkologische und nicht-onkologische Diagnosen gesichert werden, mit Einleitung entsprechender Therapie. Beim Zervixkarzinom wird die Laparoskopie diagnostisch für die Beurteilung der Tumorausbreitung angewendet. Bei Verdacht auf fortgeschrittenes und/oder nodal-positives Zervixkarzinom kann die Laparoskopie eine extrauterine Tumorausbreitung oder den nodal-positiven Lymphknotenstatus sichern, mit anschließender Einleitung einer Radiochemotherapie. Die therapeutische Laparoskopie erfolgt in den Frühstadien im Allgemeinen als totale laparoskopische radikale Hysterektomie oder als vaginal assistierte laparoskopische radikale Hysterektomie, hierbei scheint die onkologische Sicherheit dem offenen Vorgehen gleichwertig. Beim Vulvakarzinom mit befallenen Leistenlymphknoten ist die laparoskopische pelvine Lymphonodektomie eine Möglichkeit, eine pelvine Bestrahlung zu vermeiden. Beim seltenen Vaginalkarzinom ist die Rolle der Laparoskopie unklar, möglicherweise ist die Klärung des retroperitonealen Lymphknotenstatus durch Laparoskopie für die weitere Therapieentscheidung sinnvoll.

Autoren: E. Egger, M.-D. Keyver-Paik, W. Kuhn
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Cervixkarzinom, Endometriumkarzinom, Laparoskopie, Ovarialkarzinom, Vaginalkarzinom, Vulvakarzinom
ISSN: 0009-4846
Institut: Centrum für integrierte Onkologie (CIO), Universitäts-Frauenklinik Bonn