Spondyloarthritis: Was ist, wenn die Erkrankung am anderen Ende beginnt? | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Spondyloarthritiden sind eine Gruppe von Erkrankungen mit typischem klinischem Bild und einer genetischen Prädisposition: Hierzu zählen die Spondylitis ankylosans, die nicht-radiologische Variante, die Psoriasisarthritis, die reaktive Arthritis sowie die enteropathische Arthritis. Die dominierende klinische Manifestation ist der tiefsitzende, entzündliche Rückenschmerz, typischerweise in den IS-Gelenken. Periphere Arthritiden sowie Enthesitiden gehören ebenfalls zum typischen Befallsmuster. Zur Vorstellung kommt eine 27-jährige Patientin. Es werden langjährige Schmerzen der HWS – dort wo der Kopf aufhört und der Hals beginnt – berichtet, auch des Nachts bestehend. Keine Psoriasis; Mutter leide an einer reaktiven Arthritis, HLA-B27 assoziiert, sowie an einer Psoriasis vulgaris. Bei der Patientin wird aufgrund des entzündlichen HWS-Schmerzes und der Bildgebung eine nicht-röntgenologische peripher betonte Spondyloarthritis (SpA) diagnostiziert, monoarthritisch verlaufend. Aufgrund der deutlichen Klinik sowie Bildgebung wurde eine Stabilisierung operativ durchgeführt. In der Folge war die Patientin beschwerdefrei. Eine Therapie mit Methotrexat und TNFi erfolgt, bei MTX-Unverträglichkeit wird die TNFi-Therapie in Monotherapie fortgeführt. Der hier vorgestellte Fall ist auf unterschiedlichen Ebenen interessant: 1. Diagnoseschwierigkeiten, 2. Klassifikationsschwierigkeit, 3. Therapiemöglichkeit. Die Spondyloarthritiden sind in den letzten Jahren deutlich klarer definiert worden. In der Regel »dekliniert« die Erkrankung von unten nach oben. Über den »high inflammatory back pain« ist bislang wenig berichtet; Nackenschmerzen sind ein häufiges Symptom, sowohl bei Gesunden als auch bei rheumatisch Erkrankten. Aufgrund der negativen Bildgebung der Sakroiliakalgelenke kann die SpA nur schwer klassifiziert werden, die C1-Problematik ist klinisch führend, in der MRT finden sich osteoproliferative Veränderungen, die Mutter leidet unter einer Psoriasis vulgaris. Bei der Patientin liegt keine Psoriasis vor, daher wurde die Erkrankung als peripher betonte SpA klassifiziert, letztlich wäre die Erkrankung auch rein klinisch als Psoriasisarthropathie (CASPAR-Kriterien) klassifizierbar. Die Therapie stellt sich evidenzbasiert schwierig dar: Methotrexat (MTX) zeigt an der WS keine Wirkung, die C1-Arthritis folgt jedoch eher dem peripheren Arthritisansatz, sodass eine MTX-Therapie durchaus erfolgverspechend war. Da jedoch auch die Klassifikationskriterien der SpA im klinischen Arm erfüllt waren, wurde zusätzlich eine TNFi-Therapie eingeleitet, die dann als Monotherapie nach MTX-Unverträglichkeit fortgeführt wurde.

Autoren: H.-J. Menne
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, C1-Arthritis, Psoriasisarthritis, atlantoaxiale Dislokation, axSpA
ISSN: 0009-4846
Institut: Rheumatologische Schwerpunktpraxis Dortmund, Medizinisches Zentrum St.-Josefs-Hospital Dortmund-Hörde