Schmerztherapie im Alter | chirurgische praxis Band: 85

Einleitung: Schmerzsyndrome gehören zu den häufigsten Beschwerdebildern geriatrischer Patienten. Die altersbedingte Multimorbidität bringt einen deutlichen Anstieg der Häufigkeiten chronischer Erkrankungen mit sich, die jede für sich oder in ihrer Gesamtheit eine Zunahme chronischer Schmerzen bei betagten Patienten bedingen. Offenbar gibt es eine alterstypische Veränderung der Schmerzperzeption und -verarbeitung mit einer Verschiebung des Spektrums zu weniger starken akuten, aber vermehrt chronischen Schmerzsyndromen. Durch eine adäquate Schmerztherapie können Alltagskompetenz und Funktionalität bei geriatrischen Patienten mit chronischen Schmerzen gebessert werden. Eine veränderte Pharmakokinetik und -dynamik bedingen jedoch ein größeres Risiko unerwünschter Wirkungen der Medikation. Neben einer verzögerten und herabgesetzten enteralen Resorption, Interaktionen bei Multimedikation und einer im Alter veränderten Fett-/Muskelrelation hat die altersbedingte Veränderung der Nierenfunktion die größte Bedeutung für die Auswahl und Dosierung von Arzneimitteln. Diese weist mit dem Alter eine Abnahme der glomerulären Filtrationsrate auf, die interindividuell aber sehr verschieden sein kann. Deshalb erfordert eine spezielle Schmerztherapie ein stark individualisiertes Vorgehen, das die Komplexität sowohl des Schmerzsyndroms wie auch der begleitenden Multimorbidität berücksichtigt. Bei der Wahl der Schmerztherapie sollte man sich im Klaren darüber sein, dass es kein ideales Schmerzmittel, kein »eines für alle« gibt.

Autoren: P. Kokott
Weitere Informationen: Geriatrie, Allgemeines, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, FORTA, Multimorbidität, Schmerztherapie, chronische Schmerzen, geriatrischer Patient
ISSN: 0009-4846
Institut: Akademische Lehrpraxis für Allgemeinmedizin, Salzgitter