Lärm und Luftverschmutzung: die neuen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Verkehrslärm und Luftverschmutzung werden mittlerweile mehr und mehr als Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf- und metabolischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus anerkannt. Lärm als auch Luftverschmutzung, und hier insbesondere der Feinstaub, führen zu koronarer Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, arterieller Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall. Neuere Studien deuten auch darauf hin, dass die beiden neuen Risikofaktoren mit traditionellen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht interagieren und sich gegenseitig in ihren negativen Auswirkungen verstärken. In dem Übersichtsartikel werden die wichtigsten epidemiologischen Studien bezüglich Lärm und Luftverschmutzung vorgestellt und die pathophysiologischen Grundlagen der durch Umweltstressoren bedingten Gefäßschädigungen diskutiert. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung des oxidativen Stresses als Verursacher von Gefäßschäden sowohl durch Lärm als auch durch Luftverschmutzung betont. Aktuelle Wissenslücken, Auswirkungen von Interventionen und deren Auswirkungen auf kardiovaskuläre Erkrankungen werden ebenfalls angesprochen. Insgesamt muss ein erhöhtes Bewusstsein für die gesellschaftliche Belastung durch diese neuartigen Stressoren geschaffen werden; insbesondere durch Erwähnung in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie sollte für ihre Anerkennung als vollwertige Herz-Kreislauf-Risikofaktoren für den akuten Myokardinfarkt, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz gesorgt werden.

Autoren: T. Münzel, A. Daiber
Weitere Informationen: Medizin und Umwelt, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Feinstaub, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Luftverschmutzung, Lärm, Lärmbelästigung, Stickstoffdioxid, endotheliale Dysfunktion, oxidativer Stress
ISSN: 0009-4846
Institut: Kardiologie I, Zentrum für Kardiologie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz