Borderline-resektables Pankreaskarzinom. Exploration? Neoadjuvante Therapie? | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Das Pankreaskarzinom stellt eine hohe Tumorbürde dar und wird voraussichtlich bei weiter steigender Inzidenz im Jahre 2030 Rang zwei der tumorbedingten Todesfälle einnehmen. Ein wichtiges Therapieziel sollte bei potenziell kurativer Situation immer eine R0-Resektion des Tumors sein. Limitiert wird dieses Vorgehen durch den verhältnismäßig geringen Anteil an Patienten mit primär resektablem Befund, welcher nur 10–20% ausmacht. Neben den Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom (50–60%) kann bei sogenannten borderline-resektablen Pankreaskarzinomen durch eine neoadjuvante Therapie versucht werden, den Tumor »downzustagen«, um die Chance zu erhöhen, eine R0-Resektion zu erzielen. Für die Definition des sogenannten borderline-resektablen Pankreaskarzinoms ist vor allem der arterielle sowie venöse Gefäßkontakt wichtig. Das CT weist jedoch zur Beurteilung der Lokalsituation bei Pankreaskarzinom Limitationen auf. So kann sowohl die lokale Tumorausdehnung als auch der Gefäßkontakt im CT sowohl unter- als auch überschätzt werden. Um die Anzahl explorativer Laparotomien zu verringern und die R0-Resektionsrate zu erhöhen, wurde die neoadjuvante Therapie bei borderline-resektablen Pankreaskarzinomen eingeführt. So konnte in retrospektiven Studien gezeigt werden, dass nach neoadjuvanter Therapie ca. 50% der Patienten sekundär reseziert werden konnten. Die höchsten Resektionsraten wurden nach einer neoadjuvanten Therapie nach dem FOLFIRINOX-Schema erreicht (ca. 60%). Die Therapie nach dem FOLFIRINOX-Schema stellt in diesem Zusammenhang einen unabhängigen Prädiktor für ein besseres Langzeitüberlegen dar. Des Weiteren zeigten sich die R0-Raten nach neoadjuvanter Therapie erhöht, wobei auch hier die höchste Rate nach Therapie mit FOLFIRINOX erreicht wurde. Da nach einer neoadjuvanten Vorbehandlung die lokale Tumorsituation durch eine CT-Untersuchung schwer zu beurteilen ist, sollten, basierend auf den hohen Resektionsraten und dem Benefit nach der Resektion in punkto Langzeitüberleben, alle Patienten mit neoadjuvant vorbehandelten borderline-resektablen Karzinomen großzügig exploriert und wenn immer möglich einer onkologisch radikalen Resektion (R0-Resektion) zugeführt werden.

Autoren: F. Scheufele, H. Friess
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Borderline-resektables Pankreaskarzinom, Chemotherapie, Exploration, lokal fortgeschrittenes Pankreaskarzinom, neoadjuvante Chemotherapie, neoadjuvante Radiochemotherapie, Pankreaskarzinom, Radiotherapie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München