Operative Komplikationen und Ergebnisse bei der Entnahme und Transplantation von Ovargewebe zur Fertilitätsprotektion bei Krebs | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Fertilitätserhaltende Maßnahmen im Rahmen der onkologischen Therapie erhalten eine zunehmende Bedeutung. Das Langzeitüberleben bei Krebs hat sich in den letzten Jahrzehnten verlängert und die Erfüllung des Kinderwunschs wurde in eine spätere Lebensphase verschoben. Das gonadotoxische Potenzial der Therapie ging jedoch nicht zurück. Eine zunehmend etablierte Möglichkeit der Fertilitätsprotektion bei onkologischen Patientinnen ist die laparoskopische Entnahme von Eierstockgewebe vor und die Transplantation nach der onkologischen Therapie. Bisher wenig untersucht wurden operative Komplikations- und Schwangerschaftsraten bei diesem Verfahren des Fertilitätserhalts. Ziel dieses Übersichtsartikels ist es, Art und Häufigkeit von operativen Komplikationen und das Auftreten von Schwangerschaften bei den Frauen, denen Ovargewebe entnommen und transplantiert wurde, anhand der bisher veröffentlichten Literatur zu untersuchen. In der Literatur finden sich Angaben zur Entnahme von Ovargewebe bei 1.146 Frauen. Dabei kam es in 15 dokumentierten Fällen (1,3%) zu einer operativen Komplikation. Die häufigste schwere operative Komplikation war eine zur Reoperation zwingende Nachblutung, die bei 11 von 1.146 Eingriffen (ca. 1%) auftrat. Weltweit wurden bisher durch die Transplantation von Ovargewebe nach Abschluss der onkologischen Therapie etwa 100 Kinder geboren. Die Schwangerschaftsrate nach Ovar-Transplantation wird – je nach Literaturquelle – mit 20–30% angegeben. Eine Aktivität des transplantierten Ovargewebes ließ sich klinisch bzw. laborchemisch bei 60–70% der Patientinnen nachweisen. Die Entnahme, Kryokonservierung und spätere Transplantation von Eierstockgewebe sind die einzigen bei präpubertären Mädchen anwendbaren fertilitätsprotektiven Methoden. Sie gehen mit einer niedrigen operativen Komplikationsrate, die der bei anderen laparoskopischen Eingriffen entspricht, und einer guten Ovarfunktion post transplantationem in Form von nachweisbaren Schwangerschaften und Menstruationszyklen einher. Die Entnahme und Transplantation von Eierstockgewebe haben sich in den letzten Jahren zu einem Standardverfahren der Fertilitätsprotektion entwickelt, das allen Krebspatientinnen mit zukünftigem Kinderwunsch angeboten werden sollte.

Autoren: S. Findeklee, E.-F. Solomayer, S. Baus
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Fertilität, Fertilitätsprotektion, Krebs, Neoplasien, Onkofertilität, operative Komplikationen, Ovargewebsentnahme, Ovargewebstransplantation, Ovarien
ISSN: 0009-4846
Institut: Frauenklinik des Universitätsklinikums des Saarlandes, Homburg