Ehrenamtliche Patientenbegleiter zur Stress- und Delirvermeidung | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Heutzutage sind knapp 2/3 der stationär in unfallchirurgischen Kliniken behandelten Patienten über 70 Jahre alt und erheblich durch Begleiterkrankungen gefährdet. Häufig erleiden diese Patienten Stress und ein Delir. Das Delir kommt in der Unfallchirurgie bei diesen Patienten in 15–30% der Fälle vor und birgt im Vollbild die Gefahr in bis zu 15–25% der Fälle an den Folgen zu versterben. Ansprache, Zuwendung und Beschäftigung verringern hoch signifikant dieses Risiko. Daher wurde ein neues Projekt auf Initiative des Zentrums für Alterstraumatologie und des Kreisseniorenrates zur Vermeidung von Delir und Angstzuständen bei alten stationären Patienten mit einem Besuchsdienst gestartet. Dabei kümmern sich versicherte Laienhelfer um eine tägliche Betreuung von ausgesuchten Patienten. Sie betreuen und beschäftigen einen Patienten für ca. 1 Stunde pro Tag. Dabei begleiten Sie die Patienten im Haus und bei der Mobilisation, erklären, lesen vor, unterhalten sich mit ihnen oder hören nur zu und vermitteln somit Ruhe und geben Rückhalt und Zusprache. Die Begleiter sind Freiwillige und von der Klinik vorher geschulte Personen, die regelmäßig an Teamsitzungen teilnehmen und von jedem Aufenthalt einen Berichtsbogen erstellen. Wöchentlich gibt es strukturierte Besuchspläne. Nach einer Pilotphase von 6 Monaten wurde das Projekt auf alle unfallchirurgische Stationen ausgeweitet und 40 Begleiter in einem 30-stündigen Curriculum geschult und mit einem Zertifikat ausgezeichnet. Vom 01.07.2017 bis 20.08.2018 konnten so 1.403 Patienten in unserer Klinik und 199 Patienten in zwei anderen Krankenhäusern des Verbundes begleitet werden. Keiner der Patienten erlitt ein Delir. Die Patienten und Begleiter empfanden die Betreuung sehr gut und persönlich befriedigend. Die Bewertung der Ehrenamtlichen nach Schulnoten zum Erfolg ihrer Arbeit lag im Mittel bei 1,60. Auffällig war eine deutlich geringere Frequenz an Patientenrufen an das Pflegepersonal, die somit entlastet wurden. Den Patientenbegleitern wurden Fahrtkosten erstattet, zusätzlich wurde eine Versicherung für sie abgeschlossen, um ihr Engagement zu honorieren. In Zeiten von Fachkräftemangel ermöglicht die Patientenbegleitung durch ehrenamtliche Patientenbegleiter eine innovative Betreuung von delirgefährdeten Patienten. Allein durch die Zuwendung von Begleitern konnte die Belastung des Pflegepersonals gesenkt werden.

Autoren: A. Prokop, K. M. Reinauer, M. Koebler, E. Schwerb, L. Keller, M. Chmielnicki
Weitere Informationen: Geriatrie, Allgemeines, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Alterstraumatologie, Delir, Geriatrie, Laienhelfer, Patientenbegleiter, Traumatologie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Unfallchirurgie, Klinikum Sindelfingen; Medizinische Klinik VI, Zentrum für Alterstraumatologie, Klinikum Sindelfingen; Kreisseniorenrat Böblingen e V., Landratsamt Böblingen; Pflegegruppenleitung, Klinik für Unfallchirurgie, Klinikum Sindelfingen; FISH e V. Nachbarschaftshilfe, Leonberg