Mikronährstoff- Supplementierung bei bariatrischer Chirurgie | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung: Die Zahl der bariatrisch-chirurgischen Eingriffe steigt zunehmend. Dieses Verfahren ist hinsichtlich der Langzeiterfolge auf Körpergewicht und Komorbiditäten zweifellos allen anderen konservativen Verfahren überlegen. Allerdings ist der Eingriff mit einem nicht unerheblichen Risiko für die Versorgung mit essenziellen Mikronährstoffen (Vitamine, Minerale, Spurenelemente) sowie essenziellen Aminosäuren und Fettsäuren verbunden. Je nachdem, ob es sich um restriktive Verfahren oder mehr oder weniger malabsorptive handelt, treten Defizite nach unterschiedlichen Zeiten postoperativ ein. Erschwerend kommt hinzu, dass der adipöse Patient bereits vor der OP häufig Defizite bei verschiedenen Mikronährstoffen aufweist. Daraus ergibt sich, dass bereits vor dem Eingriff eine Analyse der Mikronährstoffversorgung durch einen kompetenten Ernährungsmediziner oder Ernährungswissenschaftler erfolgen muss und eine Supplementierung eingeleitet wird. Postoperativ besteht breiter Konsens, dass der Patient lebenslang auf ein Multivitamin/Mineral-(MVM-)Präparat angewiesen ist. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen einzelner Mikronährstoffe, um schwerwiegende klinisch relevante Defizite zu verhindern. Eine besondere Situation ergibt sich im Fall einer Schwangerschaft. Wenngleich der Mehrbedarf an Mikronährstoffen nicht genau bekannt ist, darf von ca. 50% ausgegangen werden. Im Vordergrund stehen Folsäure und Eisen, die zusammen mit dem MVM-Präparat eingenommen werden sollten. Die marktüblichen für Schwangere und Stillende angebotenen Pränatal- oder Postnatalkombinationen enthalten nur wenige Mikronährstoffe und reichen für die Schwangerschaft und Stillzeit der operierten Patienten nicht aus.

Autoren: H. K. Biesalski
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Bariatrische Chirurgie, Empfehlungen, Mikronährstoffdefizite, Nährstoffergänzung, Schwangerschaft
ISSN: 0009-4846
Institut: Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft, Universität Hohenheim, Stuttgart