Cenegermin – eine neue medikamentöse Therapieoption zur Behandlung der neurotrophen Keratopathie | chirurgische praxis Band: 85

Einleitung: Cenegermin ist eine rekombinante Form des menschlichen Nervenwachstumsfaktors (recombinant human nerve growth factor; rhNGF) und wird in Escherichia coli produziert [1]. Der endogen vorkommende Nervenwachstumsfaktor (nerve growth factor; NGF) ist neben BDNF, NT-3, NT-4/5 und NT-6 einer von vielen neurotrophen Faktoren, die im menschlichen Auge zu finden sind [2, 3]. In seiner Funktion ist NGF essenziell für die Entwicklung und Differenzierung von Neuronen [4, 5]. Cenegermin ist in seiner chemischen Struktur identisch zu dem endogen vorkommenden menschlichen neurotrophen NGF [1]. Die Entwicklung des neurotrophen Wachstumsfaktors geht ursprünglich auf Arbeiten der italienischen Professorin Rita Levi-Montalcini aus den 1950er-Jahren zurück, für dessen Isolierung und Charakterisierung sie im Jahr 1986 mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde [6]. Seitdem konnte im Rahmen zahlreicher klinischer und experimenteller Studien gezeigt werden, dass NGF als ein neurotropher Faktor wirkt, der das Überleben, das Wachstum und die Differenzierung von Neuronen im zentralen und peripheren Nervensystem fördert [4, 5]. Im Dezember 2015 erhielt Cenegermin von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Orphan-Drug-Status für die Behandlung der neurotrophen Keratopathie. Im Juli 2017 wurde Cenegermin in Augentropfenform von der Europäischen Kommission zur Behandlung von mittelschwerer (persistierende Hornhautepitheldefekte) oder schwerer (Hornhautulcera) neurotropher Keratopathie bei Erwachsenen zugelassen [7].

Autoren: E. M. Messmer
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengrupppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Cenegermin, neurotrophe Keratopathie, Neurotropher Nervenwachstumsfaktor, NGF, REPARO-Studie
ISSN: 0009-4846
Institut: Augenklinik, Klinikum der Universität München