Standardversorgung von Unterarmschaftfrakturen im Kindes- und Jugendalter | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Die Unterarmschaftfraktur ist die häufigste Fraktur im Kindesalter. In den allermeisten Fällen handelt es sich um stabile Wulstbrüche, die konservativ mittels Gips therapiert werden können. Der Anteil der Wulstfrakturen nimmt jedoch mit dem Alter des Kindes ab. Dislozierte Grünholzfrakturen und vollständige Frakturen nehmen mit dem Alter des Kindes zu. Der Wendepunkt ist hier im Alter zwischen 6–8 Jahren zu sehen. Im diaphysären Bereich können Achsabweichungen bis 20° bei jüngeren und bis 10° bei älteren Kindern toleriert werden. Das Korrekturpotenzial steigert sich vom diaphysären zum metaphysären Bereich, sodass sich im metaphysären Bereich die Toleranzgrenze einer Dislokation von 20° auf 40° bei jüngeren und von 10° auf 20° bei älteren Kindern erhöht. In Grenzfällen kann eine konservative Therapie mit Gipskeilungsversuch nach wenigen Tagen durchgeführt werden. Die Ruhigstellung erfolgt bei jüngeren Kindern in einem Oberarmrundgips für drei bis vier Wochen gefolgt von klinischen Kontrollen. Ältere Kinder können auch in einem Unterarmrundgips ruhiggestellt werden. Ein wichtiger Teil der konservativen Therapie von dislozierten Frakturen besteht in der Miteinbeziehung und Aufklärung der Eltern, sowohl über das hohe Spontankorrekturpotenzial, das in den Knochen ihrer Kinder steckt, als auch über die Risiken. Zum Beispiel besteht ein erhöhtes Re-Frakturrisiko bei Grünholzfrakturen. Ist eine Achsfehlstellung nicht mehr tolerabel, sollte eine Reposition in Narkose und bei bestehender Instabilität die osteosynthetische Versorgung mittels Federnagel erfolgen. Im Ausnahmefall muss bei starker Instabilität auch eine Plattenosteosynthese durchgeführt werden. Nach operativer Versorgung ist eine funktionelle Nachbehandlung ohne Ruhigstellung möglich. Eine radiologische Konsolidationskontrolle erfolgt nach vier Wochen.

Autoren: S. Hornung, P. A. Grützner, S. Studier-Fischer
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Unterarmschaftfraktur, Kinder, elastische Federnagelung, Korrekturpotenzial
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, BG Klinik Ludwigshafen