Leistenhernienchirurgie - ambulant gleich stationär? | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Der Anteil ambulanter Leistenhernien-Operationen in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr gering. Als Ursache werden die strikte Trennung der Sektoren mit unterschiedlicher Kosten- und Erlössituation diskutiert. Wir haben eine univariate Analyse der Daten aus dem Deutschen Hernienregister »Herniamed« durchgeführt. Im Zeitraum vom 01.09.2009 bis zum 31.10.2016 wurden 71.751 männliche, primäre und mit vollständigem 1-Jahres-Follow- up dokumentierte Leistenhernien erfasst und ausgewertet. Bei der Verteilung der ASAKlassifikation der Patienten fallen nur geringe Unterschiede zwischen ambulanten und stationären Sektor auf. Ein Großteil der Patienten im stationären Bereich in Deutschland scheint bezüglich der ASA-Klassifikationen somit nach den aktuellen europäischen Empfehlungen nicht leitlinienkonform versorgt zu werden. Darüber hinaus bestehen sektorenspezifische Unterschiede in der Anwendung offener oder endoskopischer OP-Techniken. Ungeachtet dessen bestehen jedoch keine signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen (intra- und postoperativen Komplikationen, Schmerz- und Rezidivraten im 1-Jahres-Follow-up) zwischen ambulanten und stationären Leistenhernien-Operationen. Aufgrund der gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen werden Leistenhernien-Operationen in Praxen und Krankenhäusern nach gleichen Grundsätzen durchgeführt. Ambulante Leistenhernien-Operationen in der Praxis erfordern jedoch zusätzlich die Entwicklung einer Logistik zur sicheren Betreuung des Patienten vor und nach der Operation. In den meisten Fällen sollten Leistenhernien-Operationen heute ambulant erfolgen. Eine stationäre Behandlung sollte unseres Erachtens grundsätzlich immer nur morbiditäts- nicht jedoch methodenabhängig erfolgen.

Autoren: R. Lorenz, A. Koch, I. Wieber
Weitere Informationen: Ambulante Chirurgie, Notfälle, Mediengruppe Oberfranken, Ambulante Hernienchirurgie, Leistenhernienversorgung, Hernienregister
ISSN: 0009-4846
Institut: Hernienzentrum 3 CHIRURGEN, Berlin-Spandau; Chirurgische Praxis Cottbus; Hernienzentrum am Rudolfplatz, Köln