Olaparib bei Ovarialkarzinom | chirurgische praxis Band: 83

Einleitung: Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland 7.380 Frauen an Ovarialkarzinom, sodass eine von 72 Frauen im Laufe ihres Lebens davon betroffen ist [1]. Dabei handelt es sich um die Erkrankung mit der höchsten Mortalität unter den gynäkologischen Karzinomen mit einem 5-Jahresüberleben von 41 % [1]. Hauptgrund für die hohe Sterberate ist der späte Zeitpunkt der Diagnosestellung, da die Symptome in der frühen Erkrankungsphase entweder ausbleiben oder sich lediglich unspezifisch darstellen [1, 2]. Etwa 5 bis 10 % der Ovarialkarzinome sind erblich bedingt, mit den häufigsten Keimbahnmutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen [3]. Im Falle einer Mutation steigt das kumulative Krebserkrankungsrisiko für BRCA1-Mutationsträgerinnen auf 39 % und für BRCA2-Mutationsträgerinnen auf 11 %, bis zum 70. Lebensjahr an Ovarialkarzinom zu erkranken [4]. Zusätzlich zu den bisherigen Therapieoptionen (zusammenfassend in unserer Broschüre »Medikamente gegen Eierstockkrebs: Wirkungen und Nebenwirkungen: Ein praktischer Ratgeber für Patientinnen und ihre Angehörige« dargestellt), steht seit Juni 2015 für diese Patientinnengruppe der PARP-Inhibitor Olaparib als weitere Therapieoption zur Verfügung [5]. Olaparib zählt zu der Enzymfamilie der Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)-Inhibitoren, welche das PARP-Enzym in BRCA1/2-mutierten Tumorzellen hemmen und zur »synthetischen Letalität« führen [3]. PARP spielt dabei eine wichtige Rolle für die Reparatur von Einzelstrangbrüchen im Rahmen des Base Excision Repairs (BER) sowie der Suppression des fehleranfälligen nicht-homologen End Joinings (NHEJ) bei DNA-Doppelstrangreparatur [3]. Wird PARP nun durch Olaparib inhibiert, können Einzelstrangbrüche der DNA nicht repariert werden und es kommt zu DNA-Doppelstrangbrüchen. Liegt zusätzlich eine BRCA-Mutation vor, bleibt auch eine Doppelstrangreparatur auf dem Wege der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) aus, sodass der NHEJ-Weg aktiviert wird [6]. In Gesamtschau entstehen Einzelstrang- und Doppelstrangbrüche, welche nur fehlerhaft repariert werden [6]. Dadurch kommt es zu chromosomalen Instabilitäten, welche im tumorselektiven Zelltod resultieren [6].

Autoren: J. Glajzer, J. P. Grabowski, M. Z. Muallem, J. Sehouli
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengruppe Oberfranken, Olaparib, Lynparza, Ovarialkarzinom
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie, Charité - Universitätsmedizin Berlin