Krebs durch Kombination verschiedener Umweltnoxen | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Es werden gentoxische Kombinationswirkungen beschrieben, die zu einer erhöhten Krebsrate aufgrund von Umwelteinflüssen führen können. Dabei werden additive und synergistische Effekte, hervorgerufen durch Chemikalien, physikalische oder endogen gebildete Noxen berücksichtigt, sowie ihre Wechselwirkungen untereinander. Additive Kombinationswirkungen durch sehr ähnlich wirkende Chemikalien mit demselben Wirkort, sowie synergistische Wirkungen aufgrund von chemischen Reaktionen werden vergleichsweise als selten eingestuft. Synergistische Ereignisse aufgrund von interaktiven Aktionen (unterschiedliche chemische Struktur, unterschiedlicher Wirkort, unterschiedlicher Wirkmechanismus) werden hingegen als häufige Kombinationswirkung angesehen. Hier spielt insbesondere die Zellmembran eine bedeutsame Rolle. Die Barrierefunktion der Zellmembranen gegenüber hydrophilen Xenobiotika kann durch verschiedene Mechanismen herabgesetzt werden, zum einen durch Membranschädigungen durch lipophile Verbindungen oder Tenside, zum anderen durch das Einschleusen von Kanzerogenen mithilfe von Transportvehikeln (z. B. Nanopartikel), die eine hohe Bindungsfähigkeit für Xenobiotika besitzen. Die herausragende Rolle von Wasserstoffperoxid (H2O2) in gentoxischen Kombinationswirkungen wird dargestellt. Oxidativer Stress und somit auch H2O2 wird durch viele Chemikalien, physikochemisch wirkende Noxen (Asbest, Nanopartikel, Holzstaub), physikalische Noxen (Lärm, elektromagnetische Felder, UV- und γ-Strahlen) und einige physiologische und psychische Prozesse erzeugt. Hinzu kommt, dass H2O2 in Anwesenheit anderer Xenobiotika verstärkt von der Zelle aufgenommen wird.

Autoren: I. Witte
Weitere Informationen: Medizin und Umwelt, Mediengruppe Oberfranken, Kombinationseffekte, Karzinogenität, Membranschädigung, oxidativer Stress
ISSN: 0009-4846
Institut: Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg