Stadienabhängige Therapie der Epiphyseolysis capitis femoris (ECF) | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Die Epiphyseolysis capitis femoris (ECF) ist definiert als atraumatischer schleichender oder akuter Abrutsch der Femurkopfepiphyse. Die Inzidenz der ECF variiert nach ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht und Region. Betroffene Kinder sind im präpubertären bis pubertären Alter, Mädchen um die 9–14 und Jungen um die 11–15 Jahre. Die Pathogenese und Ätiologie der Erkrankung ist multifaktoriell, verschiedene genetische, biomechanische und biochemische Faktoren werden dafür verantwortlich gemacht. Das klinische Bild kann stark variieren von leichten Beschwerden bis hin zur Steh- und Gehunfähigkeit, von Leistenschmerzen bis zu Knieschmerzen. Die Beckenübersicht und Hüften beidseits axial stellen nach wie vor den Goldstandard dar. Wird die ECF verspätet erkannt, kann dies zu schwerwiegenden Einschränkungen der Hüfte führen. Es besteht eine Korrelation zwischen der Schwere des Abrutsches und dem Langzeitverlauf mit bis zu katastrophalen Verläufen bei höhergradigen Abrutschwinkeln. Die ECF kann nach zeitlichen, klinischen und/oder radiologischen Einteilungen klassifiziert werden. Die operative Therapie ist abhängig vom Stadium. Chronische milde ECF werden in situ fixiert. Instabile ECF werden reponiert und moderate und schwere chronische ECF erhalten eine Korrekturosteotomie. Drei-dimensionale Korrekturosteotomien wie die Imhäuser-Osteotomie sind komplikationsarm, jedoch findet die Korrektur entfernt von der eigentlichen Deformität statt. Mit der subkapitalen Korrekturosteotomie, modifiziert nach Ganz, mit der Präparation eines großen retikulären-periostalen Lappens zur Erhaltung der Femurkopfdurchblutung über eine chirurgische Hüftluxation, wird eine anatomische Reposition erzielt und es kann damit die Entstehung eines femoro-azetabulären Impingements verhindert werden. Avaskuläre Nekrosen (AVN) und Chondrolysen treten wesentlich häufiger bei operierten als bei nichtoperierten Patienten auf. Mittel- und langfristige Folgeschäden nach ECF sind ein Funktionsverlust und eine Coxarthrose aufgrund eines femoroazetabulären Impingements (FAI) oder aufgrund von Komplikationen (AVN, Chondrolyse).

Autoren: F. F. Fernandez, O. Eberhardt, T. Wirth
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Epiphyseolysis capitis femoris (ECF), Hüftkopfnekrose, Osteotomie, Hüfte
ISSN: 0009-4846
Institut: Orthopädische Klinik, Olgahospital, Klinikum Stuttgart