Ethik – Eine gemeinsame Sprache finden | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Die Sorge um das Wohlergehen des Kindes ist häufig eine große Belastung für die Beteiligten. Was gestern noch »heile Welt« war, liegt plötzlich durch einen Unfall oder die Diagnose einer schweren Erkrankung in Scherben. Neben Hoffnung treten Unsicherheiten, die die Medizin als Wissenschaft nie ganz zerstreuen kann, da der Ausgang jeder Therapie letztlich ungewiss bleibt. Schwierige Entscheidungen, die getroffen werden müssen, fördern Ambivalenzen zu Tage und die Qual der »richtigen« Entscheidung kann zu emotionalen Spannungen zwischen den Beteiligten führen. Dies ist unvermeidlich, wenn hier Werte, Prinzipien und Zielvorstellungen miteinander in Konflikt geraten. Das ist nicht nur zwischen den Angehörigen und der Gruppe der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte zu beobachten, sondern auch innerhalb der Familie und innerhalb des therapeutischen Teams und ist in der Regel mit einem Gefühl des Unwohlseins verbunden. Hier kann eine ethische Fallbesprechung hilfreich sein, da eine ihrer zentralen Aufgaben darin besteht, derartige Gefühle aufzugreifen, Transparenz über Wertvorstellungen und Konflikte herzustellen und gemeinsame Ziele zu formulieren. An die Moderation solcher Fallbesprechungen werden besondere Anforderungen gestellt, da es dafür zu sorgen gilt, dass Spannungen und Missempfinden eine gewisse Zeit ausgehalten (»holding the tension«) und keine voreiligen Entscheidungen getroffen werden. Ziel ist eine gemeinsame Sprache zu finden, in der sich die einzelnen Beteiligten wiederfinden und respektiert sehen.

Autoren: K. W. Schmidt
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengruppe Oberfranken, Ethik, ethische Konflikte, ethische Fallbesprechung, Moderation
ISSN: 0009-4846
Institut: Zentrum für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt a M.