Was sind microRNAs? Welche potenzielle Bedeutung für die Medizin besteht? | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Durch die Entdeckung von miRNAs wurde ein neuer Mechanismus der Genregulation beschrieben, wodurch das Interesse der Forschung an nicht-kodierenden RNAs gesteigert wurde. MiRNAs binden spezifisch an mRNAs, wodurch sie den Abbau der mRNAs induzieren oder deren Translation blockieren. In ihrer Funktion als Genregulatoren spielen miRNAs eine wichtige Rolle in der Feinregulation der Genexpression während diversen zellulären Prozessen, wie Zellteilungen oder -differenzierungen. Bei der Entstehung und im Verlauf von Krankheiten kann es zu veränderten Expressionen von miRNAs kommen, sei es, dass eine miRNA im erkrankten Gewebe über- oder unterexprimiert wird. Dadurch eröffnen miRNAs neue Möglichkeiten im Bereich der Krankheitsdiagnostik und der Entwicklung neuer Medikamente. So werden bereits einige miRNA-Inhibitoren als auch miRNA-Mimics in vorklinischen sowie klinischen Studien auf ihre Wirkung hin getestet. Miravirsen, ein miR-122-Inhibitor, wurde bereits zur Behandlung von Hepatitis C-Infektionen in Phase II-Studien getestet und ist damit das am meisten fortgeschrittene, miRNA-basierte Medikament. Experimentelle Studien weisen darauf hin, dass der Nachweis von miRNAs bzw. deren Veränderungen in der Expression im erkrankten Gewebe oder in der Blutzirkulation zur Diagnose und Prognose von Krankheiten eingesetzt werden kann. Hierbei bedarf es jedoch an klinischen Studien, um das Potenzial von miRNAs als Biomarker für Krankheiten nachweisen zu können.

Autoren: P. Hartmann, A. Schober
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengruppe Oberfranken, MicroRNAs, RNA-Oligonukleotide, Biomarker
ISSN: 0009-4846
Institut: Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München