Das Deutsche Mammografie- Screening-Programm | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Das Deutsche Mammografie-Screening-Programm (DMSP) wird durchgeführt von der »Kooperationsgemeinschaft Mammographie«, einem gemeinsamen Organ der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das DMSP wurde in den Jahren 2005 bis 2009 etabliert. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine schriftliche Einladung zur Teilnahme. Etwa 50 % der Anspruchsberechtigten nehmen teil. Laut regelmäßigen Evaluations- und Qualitätsberichten werden die definierten Qualitätsparameter erfüllt. Mit Beginn des Mammografiescreenings wurde ein vorübergehender Anstieg der Inzidenz beobachtet; gefolgt von einem Rückgang, wobei allerdings das Niveau noch deutlich über der Ausgangsinzidenz liegt. In der Screeningpopulation zeigt sich eine deutliche Zunahme günstigerer Tumorstadien. Parallel erfolgte eine deutliche Zunahme der Brustkrebsoperationen v. a. in der Screeningpopulation, wobei aber im Wesentlichen die brusterhaltenden Therapien anstiegen. Der Anteil von Mastektomien und Chemotherapien bei Frauen der Screeninggruppe halbierte sich, die Häufigkeit einer alleinigen endokrinen systemischen Therapie stieg um ein Drittel. Im DMSP fehlt eine strukturierte Anbindung an zertifizierte Brustzentren, eine qualitätsgesicherte Behandlung ist damit nicht gewährleistet. Die Aufklärung über das Screening und die Durchführung erfolgen nicht im vertrauensbildenden Arztgespräch, sondern durch das Informationsblatt. Ebenso wenig gibt es eine systematische Einbindung der Primärärzte der Probandinnen (Haus- und Frauenärzte). Das DMSP ist gesetzlich geregelt und entsprechend starr und unbeweglich, wenn es darum geht, sinnvolle Adaptation vorzunehmen. Ein besonderes Problem ist die Zunahme der Häufigkeit von DCIS, welches einen erheblichen Anteil der Überdiagnosen stellt.

Autoren: A. Scharl, A. Salterberg, T. Papathemelis, S. Scharl
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengruppe Oberfranken, Brustkrebs, Mammografie, Deutsches Screeningprogramm
ISSN: 0009-4846
Institut: Frauenklinik Klinikum St. Marien Amberg; MVZ Frauenärzte Cham; Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Regensburg