Musik(therapie) zur Anxiolyse und Analgesie bei chirurgischen Patienten | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Da sich die Musiktherapie mittlerweile im Bereich von Anxiolyse und Schmerzlösung in ausgewählten Feldern bewährt hat, wird sie sukzessive auch für eine klinische Disziplin wie die Chirurgie im perioperativen Setting interessant. Der Artikel behandelt den Einsatz von Musik oder Musiktherapie zur Reduzierung von Angst und Schmerz bei chirurgischen Patienten. Nach einem Überblick über den Stand der Forschung sowohl in der Chirurgie als auch in angrenzenden medizinischen Fachgebieten, wird anhand eines repräsentativen Falles die individuell auf einen Patienten mit Rektumkarzinom abgestimmte musiktherapeutische Intervention exemplarisch dargelegt und erklärt. - Bei der Musiktherapie handelt es sich um eine psychotherapeutische Intervention mit dem Ziel der Aktivierung der psychischen und sozialen Ressourcen des Patienten zur Mitwirkung an seinem Genesungsprozess. - Musiktherapie kommt mit ihren vollständigen bio-psycho-sozialen Potenzialen in verschiedenen Fächern der somatischen Medizin bisher zum Einsatz wie der Neurologie, Kardiologie und Onkologie. - Musiktherapie, die von qualifizierten Musiktherapeuten vorgehalten wird, ist im Falle besonderer psychischer und/oder sozialer Funktionsstörungen indiziert, vor allem wenn pharmakologische Interventionen nur begrenzt Wirkungen bei Auflösung von Ängsten oder der Linderung von Schmerz zeigen. - Bisher wird aufmerksames Musikhören als Kurzzeitintervention im medizinischen, speziell aber im chirurgischen und intensivmedizinischen Bereich eingesetzt – dies erbringt nachweisliche Effekte in Bezug auf die Angstreduktion, jedoch sind aufgrund der Heterogenität der Studien in Bezug auf Population, Intervention, Messmethoden, Kontextbedingungen (noch) keine allgemeingültigen Aussagen zu treffen. - Neben publizierten Fallberichten und theoretischen Erklärungsansätzen liegen, gemessen an der verhältnismäßig geringen Verbreitung des musikmedizinisch-musiktherapeutischen Fachgebietes, bereits zahlreiche empirische Wirknachweise zum Einsatz von Musik als Nonpharmakon und von Musiktherapie als psychosomatischer Intervention in der Schmerzbehandlung vor. Musiktherapie könnte aufgrund psychologischer Wirkungen als Additivum und geeignetes zusätzliches Hilfsmittel für ausgewählte Befundkonstellationen und geeignete Patienten im Rahmen des perioperativen Managements und der (möglicherweise protrahierten) Rekonvaleszenz bevorzugt zur Schmerzverarbeitung, Angstlösung, Verbesserung der Stimmungslage und Erhaltung der Behandlungsmotivation als auch Krankheitsverarbeitung dienen. Da in der Chirurgie in Deutschland musiktherapeutische Maßnahmen bisher wenig vorkommen, wird von den Autoren eine Diskussion über einen möglichen additiven Einsatz und seine Indikationen angeregt.

Autoren: S. Metzner, U. Lodes, F. Meyer
Weitere Informationen: Geriatrie, Allgemeines, Mediengruppe Oberfranken, Musiktherapie, Humanmedizin, (Allgemein-, Viszeral-, Gefäß-) Chirurgie, Anxiolyse, Analgesie
ISSN: 0009-4846
Institut: Phil.-Soz. Fakultät, Universität Augsburg; Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Magdeburg; Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg