Sojaisoflavone und Brustkrebs | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Sojaisoflavone sind Phytoöstrogene, die an Östrogenrezeptoren binden und sowohl östrogenartige als auch antiöstrogene Wirkungen entfalten können. Wegen ihrer hormonähnlichen Eigenschaften wird befürchtet, dass Sojaisoflavone die Entstehung von Brustkrebs fördern und das Rückfallrisiko von Brustkrebspatientinnen erhöhen könnten. Experimentelle Studien an Zelllinien und Tiermodellen kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen: Es wurden sowohl Tumor-stimulierende als auch Tumor-hemmende Effekte der Sojaisoflavone beschrieben. Metaanalysen prospektiver epidemiologischer Studien konnten jedoch keinen Zusammenhang zwischen einer sojareichen Ernährung und einem erhöhten Brustkrebsrisiko nachweisen. Nach Einschätzung nationaler und internationaler Fachgesellschaften gilt der Konsum moderater Sojamengen (1–2 Portionen pro Tag, Isoflavongehalt ca. 25–50 mg) sowohl für gesunde Frauen als auch für Brustkrebspatientinnen und Brustkrebsüberlebende als unbedenklich. Nahrungsergänzungsmittel auf Sojabasis sind nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für gesunde peri- oder postmenopausale Frauen ebenfalls hinreichend sicher, wenn die Orientierungswerte für die Dosis (bis zu 100 mg pro Tag) und die Einnahmedauer (bis zu 10 Monate) eingehalten werden. Das Risiko isolierter Isoflavone für Frauen vor der Menopause, Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko und Brustkrebspatientinnen kann wegen mangelnder Daten nicht abgeschätzt werden. Das BfR warnt Frauen mit oder nach einer östrogenabhängigen Brustkrebserkrankung explizit vor isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln, da nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, dass große Isoflavonmengen das Rückfallrisiko steigern.

Autoren: K. Manegold, E. Krieghoff-Henning, K. Wittenberg, S. Caspritz, A. Penzkofer, S. Weg-Remers
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengruppe Oberfranken, Soja, Sojaisoflavone, Brustkrebsrisiko, Brustkrebsrezidiv
ISSN: 0009-4846
Institut: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg