Daratumumab | chirurgische praxis Band: 83

Einleitung: Daratumumab ist ein humaner monoklonaler IgG1K-Antikörper gegen das Oberflächenantigen CD38, hergestellt in einer Säugetier-Zelllinie (Ovarzellen des chinesischen Hamsters, CHO) durch rekombinante DNA-Technologie [1]. Daratumumab wurde im Mai 2016 als »Orphan Drug« zur Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) durch die EMA zugelassen. Das MM ist durch die vermehrte Neubildung von Plasmazellen charakterisiert, die sich insbesondere im Knochenmark (KM) (seltener auch an extramedullären Lokalisationen) anreichern und infolgedessen zum Knochenabbau und zur KM-Verdrängung führen. Es macht etwa 10–15 % aller hämatologischen Neoplasien aus. Die initialen Symptome des MM sind meist unspezifisch. Häufig können Müdigkeit, Knochenschmerzen, pathologische Frakturen, Infektneigung und/oder Gewichtsverlust auftreten. Dabei stehen in Deutschland – neben »konventionellen« Therapieoptionen, wie der Verwendung von Kortikosteroiden, Alkylanzien (Melphalan, Cyclophosphamid, Bendamustin), Anthrazyklinen und Hochdosischemotherapeutika mit anschließender Stammzelltransplantation (autolog oder allogen) – auch »neue Substanzen«, oft in Kombination mit Chemotherapeutika, zur Verfügung. Die Einführung dieser neuen Substanzen, wie Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib, aber auch die Verfügbarkeit der immunmodulatorischen Substanz der dritten Generation (IMiD) Pomalidomid, neuen Proteasominhibitoren (PI), wie Carfilzomib, Ixazomib, Oprozomib und anderen, Histon-Deacetylase-Inhibitoren (z. B. Panobinostat) und Antikörpern, wie Elotuzumab (target: SLAMF7/CS1), Daratumumab und SAR650984 (CD38), Siltuximab (IL-6), Tabalumab (BAFF), Denosumab (RANKL), Romosozumab (Sclerostin), Bruton-Tyrosinkinase-, »Heat-shock-protein«-Inhibitoren und anderen innovativen Phase I/II-Substanzen, haben das therapeutische Arsenal beim MM enorm bereichert. Das MM gehört formal zu der indolenten Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)-Erkrankung, ist durch wiederholt auftretende Rezidive gekennzeichnet und bedarf deshalb neuer Therapeutika. Aufgrund des immer besseren Verständnisses des MMs und neuer Substanzen bzw. Kombinationen konnte die Lebenserwartung von MM-Patienten in den letzten 15 Jahren signifikant verbessert werden [2–5].

Autoren: S. Ajayi, S. Müller, H. Reinhardt, J. Udi, S. M. Dold, M. Szymaniak-Vits, R. Wäsch, M. Engelhardt
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengruppe Oberfranken, Daratumumab, Darzalex, Multiples Myelom
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Innere Medizin I, Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie & Stammzelltransplantation, Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie, Universitätsklinikum Freiburg