Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) bei geriatrischen Patienten: Blutungsrisiko deutlich höher als vermutet | chirurgische praxis Band: 83

Hintergrund: Während die Studiengrundlage zur Empfehlung der sekundärpräventiv-antithrombozytären Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) überwiegend aus Daten von Patienten mit einem Alter jünger als 75 Jahren besteht, ist inzwischen mehr als die Hälfte der entsprechenden Patienten älter als 75 Jahre. Für diese Alterskohorte ist die Nutzen-Risiko-Bewertung der antithrombozytären Therapie bislang unvollständig untersucht. In einer aktuellen, prospektiv angelegten Kohortenstudie, die im Lancet erschienen ist, wurde die Frage untersucht, wie sich das Blutungsrisiko unter sekundärpräventiver ASS-Therapie in Abhängigkeit vom Alter der Patienten entwickelt. Dass die antithrombozytäre Therapie mit ASS und anderen Substanzen das Risiko für Blutungskomplikationen, insbesondere des oberen Gastrointestinaltrakts (GI), erhöht, ist unstrittig; ebenso eindeutig ist, dass dieses Risiko durch die Gabe von Protonenpumpenhemmern (PPI) um 70–90 % reduziert werden kann [1]. Dennoch erfolgt die Verschreibung von PPIs auch aufgrund möglicher unerwünschter Wirkungen bei diesem Patientenkollektiv nicht routinemäßig [2–5]; zudem ist die in Studien gezeigte Mortalität infolge oberer GI-Blutungen unter ASS-Therapie vergleichsweise gering [6], was insbesondere die Co-Verordnung von PPI bei niedrig dosiertem ASS zusätzlich fraglich erscheinen lässt. Daher gibt es in den entsprechenden Leitlinien auch keine Empfehlung zum routinemäßigen Einsatz einer PPI-Prophylaxe in dieser Konstellation – von der Anwendung bei Patienten mit individuell erhöhtem Risiko für gastrointestinale Blutungskomplikationen selbstverständlich abgesehen [7]. Entsprechend gering ist der Anteil der Patienten mit niedrig dosierter ASS, die zusätzlich einen Protonenpumpenhemmer einnehmen [4]. Obwohl das Blutungsrisiko unter antithrombozytärer Therapie mit dem Alter ansteigt, ist bislang unklar, ob ein erhöhtes Alter allein einen ausreichend maßgeblichen Risikofaktor für die Indikationsstellung zur Co-Anwendung eines PPI darstellt.

Autoren: M. Smollich
Weitere Informationen: Arzneimittel-, Therapie-Kritik, Mediengruppe Oberfranken, Acetylsalicylsäure, geriatrischen Patienten, Blutungsrisiko
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinische Pharmakologie und Pharmakonutrition praxisHochschule Rheine