Therapie der septischen Coxitis im Kindesalter | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Die septische Coxitis stellt für das Hüftgelenk eine äußerst ernsthafte Erkrankung dar und erfordert eine notfallmäßige Therapie. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, die ihre Beschwerden nicht artikulieren können, ist bei unspezifischen allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Trinkschwäche und Fieber eine septische Arthritis differentialdiagnostisch zu erwägen und eine Ganzkörperuntersuchung erforderlich. Eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung, ggf. Pseudoparalyse sowie Gehunwilligkeit sind weitere typische Symptome. Die Keime erreichen das Gelenk entweder hämatogen über die Synovialis oder aber ein osteomyelitischer Herd am proximalen Femur penetriert in das Gelenk. Neben der Anamneseerhebung und einer sorgfältigen klinischen Untersuchung zählen die Temperaturmessung, die Ultraschallplikationsrate untersuchung des Gelenks und die Bestimmung der Entzündungsparameter zu den wegweisenden diagnostischen Maßnahmen. Bereits im Fall des begründeten Verdachts auf eine septische Coxitis ist eine notfallmäßige Gelenkentlastung und Spülung – offen oder arthroskopisch – erforderlich. Zusätzlich müssen Gelenkflüssigkeit und einige Gewebeproben für die mikrobiologische Untersuchung gewonnen werden. Die antibiotische Therapie wird zunächst empirisch, nach Erregernachweis Antibiogramm-spezifisch durchgeführt. In vielen Fällen gelingt allerdings kein Keimnachweis. Innerhalb weniger Tage zeigt sich ein deutlicher Rückgang der klinischen Symptomatik sowie der Entzündungsparameter. Bei unzureichender Verbesserung ist eine MRT-Untersuchung zum Ausschluss einer Osteomyelitis bzw. eines periartikulären Abszesses indiziert und eine operative Revision erforderlich. Eine verspätet oder insuffizient therapierte septische Coxitis führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Gelenkdestruktion mit lebenslangen gravierenden Folgen wie Gelenkschmerzen, Beinverkürzung, Hinken ggf. auch sekundärer Wirbelsäulendeformität.

Autoren: B. Westhoff, M. Ruppert, R. Krauspe
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Septische Coxitis, Lavage, Arthroskopie, Antibiose, Spätfolgen
ISSN: 0009-4846
Institut: Orthopädische Klinik, Heinrich Heine Universität, Universitätsklinikum Düsseldorf