Extravasattrauma mit tiefer Hautnekrose nach Infusionstherapie bei einem Säugling | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Beschrieben wird ein ausgedehntes Extravasattrauma (EI) bei einem 9 Monate alten Säugling unter perfuser-gesteuerter Infusion. Das EI war Folge der Dislokation einer Verweilkanüle aus einem peripheren Ast der V. saphena parva auf dem Fußrücken. Das Extravasat nahm Fuß und Unterschenkel bis in die Knieregion ein. Trotz des sich zunehmend entwickelnden sehr hohen Gewebedrucks hatte der Perfusor keinen Alarm gegeben. Die Wartung des Geräts war weit überfällig. Es handelt sich insgesamt um eine sehr seltene Konstellation. Nach Angaben im rezenten Schrifttum bleibt die Pflege auch dann in der Verantwortung für die Infusion. Deren unmittelbare Kontrolle durch eine Schwester wird als Goldstandard angesehen. Die ärztliche Untersuchung des kleinen Patienten erfolgte trotz Benachrichtigung erst nach 12 Stunden. Was ärztliche Aufgabe gewesen wäre, blieb in Verantwortung der Pflege. Weil wegen der Erfolgsaussichten die Weichen für das weitere Procedere – konservativ versus chirurgisch – möglichst früh und interdisziplinär gestellt werden sollten, blieben die Möglichkeiten der Pflege begrenzt. Im konkreten Fall führte eine konservative Therapie nicht zum Erfolg, erfolgte dann am 23. Tag wegen sekundärer Wundheilung mit tiefer Nekrose kinderchirurgisch eine Revision. Die postoperativen Ergebnisse waren gut. Weil EI medizinisch sehr leicht unterschätzt werden können, erfolgt die Mitteilung dieser Kasuistik.

Autoren: K. S. Saternus, S. Reineke, P. Illing
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Extravasattrauma, Peripher venöser Zugang, Signalausfall Perfusor, Zuständigkeit, Chirurgische Spätversorgung
ISSN: 0009-4846
Institut: Rechtsmedizin Kassel; Georg-August-Universität-Göttingen Klinik für Kinderchirurgie und Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder, Klinikum Kassel