Chirurgische Endoskopie zwischen Klinik und Praxis | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Chirurgische Endoskopie, hier verstanden als flexible Endoskopie des Magen-Darm-Traktes und des Tracheobronchialsystems, umfasst endoskopische Untersuchungen vor, während, anstelle oder nach chirurgischen Operationen. Bei funktionellen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (Reflux, Achalasie) ist sie maßgeblich an der Diagnose und der Verfahrenswahl beteiligt. Bei Tumoren kann sie Präkanzerosen und Frühstadien entfernen und bei fortgeschrittenen Tumoren durch exakte Lagebeschreibung und (endosonographisches) Staging das multimodale Behandlungskonzept und die OP-Planung steuern. Intraoperativ kann die Lokalisation von operationspflichtigen Befunden, die Kontrolle von Anastomosen oder die Assistenz bei Hybrideingriffen notwendig werden. Bei Blutungen in den Magen-Darm-Trakt, bei der Ingestion von Fremdkörpern, der Anlage von Ernährungssonden sowie bei Engstellungen ist die Endoskopie die Therapie der ersten Wahl und hat OP-Verfahren auf die Beherrschung von Komplikationen und die seltenen Fälle mit Versagen der endoskopischen Therapie verdrängt. Die Therapie der Choledocholithiasis und von Gallenwegsleckagen erfolgt standardisiert per ERCP. Zunehmende Bedeutung hat die Endoskopie auch für die Beherrschung postoperativer Komplikationen, beispielsweise durch die Vacuum-Therapie. Schließlich entstehen im Rahmen der metabolischen Endoskopie auch neue Alternativen zur Operation. Diese vielfältige und enge Verzahnung muss dazu führen, dass Chirurgen eine genaue Kenntnis und idealerweise eigene Erfahrungen in der Endoskopie erwerben.

Autoren: G. Kähler
Weitere Informationen: Ambulante Chirurgie, Notfälle, Mediengruppe Oberfranken, Chirurgische Endoskopie, endoskopische Resektion, metabolische Endoskopie, Komplikationsmanagement
ISSN: 0009-4846
Institut: Zentrale Interdisziplinäre Endoskopie, Universitätsmedizin Mannheim