Operative und konservative Therapie bei Phalangenfrakturen | chirurgische praxis Band: 83

Zusammenfassung: Phalangenfrakturen sind häufige Frakturen im Bereich der oberen Extremität. Im klinischen Alltag werden die Phalangenfrakturen allerdings meist vernachlässigt, obwohl gerade Fingerfrakturen durch Fehlstellung bei unzureichender Behandlung und Steifigkeit bei Übertherapie sehr komplex sein können. Die höchste Inzidenz liegt zwischen dem 10. und 40. Lebensjahr, ein Zeitraum, in dem die sportliche und berufliche Exposition am größten ist. Die meisten Frakturen sind funktionell stabil, entweder vor oder nach geschlossener Reposition und werden gut zur Ausheilung gebracht mit primärer Ruhigstellung und frühfunktioneller Nachbehandlung. Frakturen mit Rotations- oder Achsfehler, intraartikuläre Frakturen und offene Frakturen mit assoziiertem Weichteilschaden bedürfen einer operativen Versorgung. Bei der Wahl der optimalen Behandlungsmethode müssen obligat neben der Frakturlokalisation, der Frakturmorphologie, der Fehlstellung, den Begleitverletzungen und der Stabilität auch die Komorbiditäten und die Compliance des Patienten berücksichtigt werden. Es zeigt sich eine Zunahme der osteosynthetischen Versorgung bedingt durch die Weiterentwicklung der Implantate und Materialien, sowie ein verbessertes Verständnis der biomechanischen Prinzipien. Obwohl eine verlängerte Ruhigstellung zu vermeiden ist, sollte stets auch bedacht werden, dass forcierte und aggressive Versuche der internen Fixierung zu Gewebeschädigung, Adhäsionen der Sehnen und der Notwendigkeit der sekundären Metallentfernung führen, mit gleichzeitiger Arthrolyse und Tenolyse. Die Indikation zur Operation sollte daher differenziert gestellt werden und mit der Gewissheit, hierdurch ein vergleichbares bzw. besseres Outcome im Vergleich zur konservativen Therapie zu erzielen.

Autoren: A. L. Sander, I. Marzi, J. Frank
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Phalangenfrakturen, konservative Therapie, Osteosynthese, Nachbehandlung
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Frankfurt