Revisionseingriffe bei hüftgelenknahen Femurfrakturen | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Mit dem demografischen Wandel und der steigenden Lebenserwartung nimmt die Anzahl von hüftgelenksnahen Frakturen stetig zu, gleichzeitig wächst auch die Menge der notwendigen Revisionsoperationen. Neben den allgemeinen chirurgischen Problemen, wie Hämatom, Wunddehiszenz und Infektion, stellt das Versagen der primären Osteosynthese eine wichtige und häufige Indikation für Folgeeingriffe dar. Typische Gründe hierfür sind die ungenügende Initiale Reposition, die Wahl eines ungeeigneten Implantats, das »cut-out« sowie die laterale Migration von Schenkelhalsimplantaten, das Implantatversagen sowie periimplantäre sowie periprothetische Frakturen und Infekte. In der Vorbereitung eines Revisionseingriffs sind viele allgemeine Faktoren, wie das biologische Patientenalter, der Level der Patientenaktivität, der Grad der Arthrose, die Komorbiditäten sowie die Knochenqualität, -vitalität und -substanz, zu berücksichtigen. Weiterhin spielt die exakte Analyse der Versagensursache der primären Osteosynthese eine entscheidende Rolle für die Wahl des richtigen Revisionsverfahrens und somit den Erfolg der Operation. Grundsätzlich gilt es zu entscheiden, ob eine Reosteosynthese der primären Fraktur möglich und sinnvoll ist oder ob eine sekundäre endoprothetische Versorgung notwendig wird. Ebenso wie bei der primären Versorgung ist bei jungen, aktiven Patienten mit geringem Gelenkknorpelverschleiß und intaktem Knochenstoffwechsel eine gelenkerhaltende Operation zu bevorzugen. Dabei kann der Umstieg von extramedullären (Schraubenosteosynthesen, DHS) auf intramedulläre Kraftträger (cephalomedulläre Nägel mit oder ohne zementaugmentierbaren Schenkelhalsfixationen) genauso wie auch eine valgisierende Korrekturosteotomie erforderlich sein. Bei Patienten im Alter über 65 Jahren, bei vorbestehender Arthrose oder gestörter Knochenbiologie und bei bereits eingeschränkter Mobilität ist hingegen eine Arthroplastik zu bevorzugen. Letztere kann im hohen Alter und bei geringem Aktivitätslevel als bipolare Hemiarthroplastik (Duokopfprothese) durchgeführt werden. Eine besondere Herausforderung stellen periprothetische Frakturen dar, welche nach der Vancouver-Klassifikation eingeteilt werden. Die Reosteosynthese, die sekundäre Endoprothetik und die Versorgung periprothetischer Frakturen sind Domänen des erfahrenen Operateurs und sollten unter optimalen Bedingungen in spezialisierten Zentren, mit schlüssigem Konzept und einem Alternativplan in der Hinterhand erfolgen. Im Rahmen der Revisionschirurgie sind häufig die Verwendung besonders langer Implantate, die Spongiosaplastik sowie die Anlagerung allogener »Strut Grafts«, die Zementaugmentation von Schenkelhalskomponenten, der Einsatz spezieller Revisionsendoprothesen bis hin zum proximalen bzw. totalen Femurersatz notwendig.

Autoren: M. Mäder, K.-D. Schaser
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Osteosyntheseversagen, Schenkelhalsfraktur, pertrochantäre Femurfraktur, subtrochantäre Femurfraktur, periprothetische Fraktur
ISSN: 0009-4846
Institut: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden