Therapeutisches Vorgehen bei der stumpfen Milzverletzung | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Das therapeutische Vorgehen bei stumpfen Milzverletzungen zeigt einen Wandel von einem operativen zu einem zunehmend nicht-operativen Management (NOM) und stellt damit den größten Paradigmenwechsel der letzten 25 Jahre in der Behandlung von verunfallten Patienten dar. Das NOM hat sich mittlerweile zu einem multidisziplinären Behandlungskonzept zwischen Chirurgie, Anästhesie und interventioneller Radiologie etabliert. Die Errungenschaften der Angioembolisation haben die Erfolgsraten des NOM deutlich verbessert und konnten somit die Indikationen zum Erhalt der Milz erheblich erweitern. Die Patienten profitieren von geringerer Mortalität, weniger laparotomieassoziierter Morbidität und durch den Erhalt der immunologischen Funktion des Organs von niedrigeren Infektraten. Die Behandlungsstrategien schließen als wichtigste Kriterien die hämodynamische Stabilität, den Schweregrad der Milzverletzung, mögliche Begleitverletzungen und die Verfügbarkeit von intensivmedizinischen, interventionell radiologischen und operativen Kapazitäten ein. Auch wenn im Verlauf doch die Indikation zur operativen Versorgung der Milzverletzung gestellt wird, sollte in Abhängigkeit vom Schweregrad und dem begleitenden Verletzungsmuster ein chirurgischer Milzerhalt angestrebt werden.

Autoren: C. Weitzel, D. Veit, C. Güsgen, S. Waldeck, R. Schwab
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Trauma, Milz, Embolisation, Splenektomie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz