Wann sind Rezidivoperationen beim Rektumkarzinom indiziert? | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Durch die Einführung der totalen mesorektalen Exzision (TME) und der neoadjuvanten Vorbehandlung konnte die Lokalrezidivrate nach Rektumresektion deutlich gesenkt werden. Dennoch ist das Lokalrezidiv ein herausforderndes Problem. Zum einen in der Diagnostik und der Beurteilung der Resektabilität, zum anderen in der operativen Technik. Eine R0-Resektion ist für einen kurativen Therapieansatz erforderlich. Operativ kann je nach Lage des Rezidivs eine ventrale, dorsale oder gesamte Beckenexenteration durchgeführt werden, oft unter Mitresektion eines Teils des Os sacrums. Im Zeitraum von Januar 2015 bis Dezember 2017 haben wir 14 Rektumkarzinom-Rezidive operativ behandelt. Bei 9 Patienten handelte es sich um ein Rezidiv im kleinen Becken. Hier erreichten wir 6 R0-Resektionen, bei einer R1-Resektion am ossären Resektionsrand legten wir Afterloading-Schienen intraoperativ ein und bei zwei Patienten konnte nur eine R2-Resektion durchgeführt werden. Die Rekonstruktion des Beckenbodens erfolgte bei Exstirpation mit fasziokutanem Verschiebelappen und Einlage entweder eines Kunststoffnetzes (Gore® Bio-A® Mesh) oder einer Omentum-Plastik. Das Rezidiv des Rektumkarzinoms bedarf einer intensiven präoperativen Diagnostik und dezidierten Therapieplanung. Ist eine R0-Resektion präoperativ in Aussicht, ist die Operation indiziert; das Ausmaß der Resektion bestimmt die Morbidität und postoperative Lebensqualität. Dies muss mit dem Patienten und im Tumorboard im Detail besprochen werden. Eine geplante R0-Resektion kann jedoch nicht immer durchgeführt werden, da sich intraoperativ gelegentlich eine andere Situation darstellt, als präoperativ anhand der Bildgebung eingeschätzt.

Autoren: B. Jansen-Winkeln, C. Pommer, S. Langer, I. Gockel
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Rektumkarzinom, Rezidiv, Chirurgie, multimodale Therapie, Resektion
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig; Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig