Matched-Pair-Analyse von patientenspezifischen mit konventionellen Implantaten | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung : Hintergrund: Trotz stetiger Weiterentwicklungen im Bereich Totalendoprothesen am Kniegelenk (K-TEP) sind 10–34% der Patienten anhaltend unzufrieden. Die Ursache hierfür ist multifaktoriell und letztendlich noch nicht vollständig geklärt. Als Faktoren dafür werden Passungenauigkeiten mit Implantatüberhängen, Achsabweichungen,Veränderungen des Drehzentrums und weitere biomechanische Faktoren, wie individuelle Bandspannungen und Muskelkraftwirkungen, angesehen. Als ein Lösungsansatz wurden patientenspezifische Implantate entwickelt. Ziel dieser retrospektiven Analyse ist die Evaluation der eigenen Ergebnisse von patientenspezifischen K-TEPs (iTotal®, Conformis) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit einer konventionellen K-TEP (LCS® COMPLETE™, DePuy-Synthes). Material und Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurden zwischen 02/2014 und 09/2016 15 Patienten an 16 Kniegelenken mit einer patientenspezifischen K-TEP (iTotal®, ConforMIS, Burlington, MA) in der Studiengruppe (SG) und als gematchte Kontrollgruppe (KG) 16 Patienten mit einer konventionellen K-TEP (LCS® COMPLETE™ Knee System, DePuy Synthes, West Chester, PA) analysiert. Alle Patienten wurden nach gleichem Standard operiert und nachversorgt sowie präoperativ, postoperativ und zur Nachuntersuchung evaluiert. Ergebnisse: Die mediane Nachuntersuchungszeit in der SG betrug 12 Monate (4–35 Monate), in der KG 11,5 Monate (6–23 Monate). Die Drop-out-Rate in der SG betrug 6% (1/15). Signifikante Unterschiede bezüglich Geschlechtsverteilung, Alter bei Operation, Nebenerkrankungen, Antikoagulanzien, Voroperationen, Krankenhausverweil- und Operationsdauer zwischen den Gruppen bestanden nicht. Nach einem Jahr zeigte die SG einen signifikant besseren Bewegungsumfang als die KG (SG: 120° [90–130°]; KG: 100° [90–120°]; p=0,016). Die Schmerzen waren in der SG geringer. Aus ökonomischer Sicht ergab sich im Median ein 30% höherer Erlös für die Fälle der SG, wodurch die höheren Implantatkosten abgedeckt wurden. Komplikationen traten jeweils in einem Fall in der SG (6%, 1/16; Frühinfekt) und in der KG (periprothetische Fraktur) auf. Zusammenfassung: Nach einem Jahr zeigten Patienten mit individualisierten K-TEPs bessere funktionelle Ergebnisse und weniger Schmerzen als die konventionelle KG. Die höheren Kosten für die patientenspezifische Implantatanfertigung werden aktuell durch den höheren DRG-Erlös abgebildet.

Autoren: D. Zajonz, J. K. M. Fakler, N. v. Dercks, A. G. Brand, M. Edel, C. Josten, A. Roth
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Beweglichkeit, Patientenspezifische Knie-TEP, individualisierte Knie-TEP
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig; ZESBO - Zentrum zur Erforschung der Stütz- und Bewegungsorgane, Leipzig; Medizincontrolling, Universitätsklinikum Leipzig