Die angeborene Hüftdysplasie erkennen und richtig behandeln | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung : Das Erkennen der angeborenen Hüftdysplasie als Reifungsstörung des Acetabulums mit oder ohne Dezentrierung des Hüftkopfes stellt eine Herausforderung im pädiatrischen Alltag dar. Das frühzeitige Diagnostizieren und Therapieren dieser Strukturveränderung ist entscheidend für die Entwicklung eines reifen Hüftgelenkes – zumeist alleinig mittels konservativer Therapie wie der Tübinger-Schiene, dem Fettweis-Gips oder der Overhead-Extension. Hierfür ist jedoch die frühzeitige Diagnosestellung entscheidend. Sind anamnestische oder klinische Auffälligkeiten, welche auf eine angeborene Hüftdysplasie deuten, vorhanden, ist leitlinienkonform der Hüftultraschall bereits in der U2-Untersuchung obligat. Verbleibt eine Restdysplasie, entwickelt sie sich erst später oder wird erst nach Erreichen des Laufalters entdeckt, sind häufig operative Rekonstruktionen erforderlich. Bei offenen Wachstumsfugen können neben der offenen Reposition die Beckenosteotomie nach Salter oder Acetabuloplastik nach Dega verwendet werden. Meist sind ein weichteiliges Release und eine additive Derotationsvarisationsosteotomie begleitend notwendig. Bei bereits geschlossenen Wachstumsfugen können die Beckenosteotomie nach Tönnis oder Ganz Anwendung finden. Alle Verfahren – konservativ wie operativ – haben mit der Verbesserung der Überdachung des Hüftkopfes und der Verbreiterung der Hauptbelastungszone die Reduktion des frühzeitigen Arthroserisikos zum Ziel.

Autoren: K. S. Gather, M Klotz, S. Erhard, S. Hagmann, T. Dreher
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Beckenosteotomie, U3-Untersuchung, Graf-Sonografie, Angeborene Hüftdysplasie
ISSN: 0009-4846
Institut: Sektion Kinderorthopädie und Fußchirurgie, Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Universitätsklinikum Heidelberg