Spontane Milzruptur im Neugeborenenalter und organerhaltende operative Therapie: Zwei Fallberichte und ein Literaturreview | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Die neonatale Milzruptur stellt ein seltenes, jedoch lebensbedrohliches Ereignis dar. Eine unspezifische Symptomatik mit AZ-Verschlechterung, abdomineller Distension, Blässe und Anämie tritt meist im Alter von 1–3 Lebenstagen auf. Selten kann auch eine Hämatozele als Erstsymptom auftreten. Die Abdomensonografie, bei der sich freie Flüssigkeit und eine Raumforderung in der Milzloge zeigen können, ist das bildgebende Verfahren der Wahl. Die in der Literatur berichtete Zeitspanne von bis zu 24 Stunden von Beginn der Symptomatik bis zur Diagnosestellung ist der Seltenheit des Krankheitsbildes geschuldet und zeigt die Wichtigkeit, eine Milzverletzung bei Anämie und freier abdomineller Flüssigkeit als Differenzialdiagnose zu erwägen. Ursächlich muss zwischen traumatischen und spontanen Milzrupturen unterschieden werden; therapeutisch ergibt sich daraus keine Konsequenz. Ein primär konservatives Vorgehen unter Monitoring von Vitalparametern, Hämoglobin-/Hämatokritwerten, kreislaufunterstützender Therapie und der Transfusion von Erythrozytenkonzentrat sollte angestrebt werden. Bei klinischer Stabilisierung und eindeutiger Tendenz zur Spontantamponade kann von einer operativen Intervention abgesehen werden. Bei hämodynamischer Instabilität ist die operative Blutungsstillung unter Einsatz lokaler Hämostyptika mit Erhalt der Milz die Therapie der Wahl, auch wenn in den meisten berichteten Fällen eine Splenektomie durchgeführt wurde. Wir berichten von zwei Neugeborenen mit spontaner Milzruptur, bei denen eine milzerhaltende, operative Blutungsstillung gelang.

Autoren: J. Keck, F. Seitz, C. Wieg
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Anämie, Neonatale Milzruptur, Organerhalt, Hämatoperitoneum
ISSN: 0009-4846
Institut: Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Aschaffenburg- Alzenau; Klinik & Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinik Würzburg und Klinikum Aschaffenburg-Alzenau