Soziale und psychische Folgen von nuklearen Notfällen | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Katastrophen und Krisensituationen stellen das Leben der Menschen auf den Kopf und können schwerwiegende Konsequenzen für die Betroffenen haben. Auch wenn Menschen nicht verletzt oder anderweitig körperlich beeinträchtigt sind, treten häufig kurzfristige psychische Stressreaktionen auf oder auch länger anhaltende oder verzögert eintretende psychische Belastungsreaktionen. Bei nuklearen Notfällen – also im Falle eines Unfalls in einer kerntechnischen Anlage – ist der radiologische Notfallschutz dafür zuständig, negative Auswirkungen für Menschen durch erhöhte Strahlenexposition möglichst zu verhindern oder zumindest soweit wie möglich zu verringern. Allerdings liegt bis heute das Hauptaugenmerk im radiologischen Notfallschutz auf den Folgen erhöhter Strahlenexposition für die physische Gesundheit. Erst in den letzten Jahren – nicht zuletzt ausgelöst durch das Reaktorunglück von Fukushima – rückten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und auf das gesellschaftliche Zusammenleben stärker in den Vordergrund. Der Artikel beschreibt Erkenntnisse zu psychischen und gesellschaftlichen Auswirkungen bisheriger nuklearer Notfälle. Er plädiert dafür, physische und psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen noch stärker kombiniert und gleichrangig zu betrachten. Ansatzpunkte, in der alltäglichen Praxis vor Ort derartigen Auswirkungen zumindest teilweise entgegenzuwirken, werden aufgezeigt.

Autoren: C. Pölzl-Viol
Weitere Informationen: Medizin und Umwelt, Mediengruppe Oberfranken, Strahlenschutz, Psychische Gesundheit, nukleare Notfälle
ISSN: 0009-4846
Institut: Fachbereich Strahlenschutz und Gesundheit, Bundesamt für Strahlenschutz, Oberschleißheim