Neue Techniken in der Schilddrüsenchirurgie | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Die elektive Schilddrüsenchirurgie ist heute mit sehr niedrigen Komplikationsraten möglich. Die permanente Rekurrensparese ist eine Seltenheit, beidseitige Paresen können vermieden werden. Das Dauermonitoring über den Nervus vagus hilft den hohen Standard ggf. weiter anzuheben. Durch ein neues Fluoreszenzverfahren können die Nebenschilddrüsen besser dargestellt und geschont werden, sodass wir auch künftig eine Reduktion der Hypoparathyreoidismusraten erwarten können. Die Ökonomie der Schilddrüsenchirurgie spielt vor allem in den sog. »High Volume Centers« eine große Rolle. Die Gefäßversiegelung kann hier mit großer Sicherheit zu einer deutlichen Reduktion der OP-Zeiten und der intraoperativen Kosten führen. Ein großer Teil des Patientenkollektivs sind junge Frauen. Daher spielt hier die Operationsnarbe eine große Rolle. Eine kleine oder am besten gar keine Narbe ist daher das Ziel mehrerer neuer endoskopischer Verfahren. Während die rein endoskopischen, aber nicht minimal-invasiven Verfahren den Zugangsweg fern der vorderen Halsseite haben, erfolgt der Zugang bei dem ältesten, am besten evaluierten und rein minimal-invasiven Verfahren – der MIVAT (Minimal-Invasive Video-Assistierte Thyreoidektomie) – über einen 2 cm großen Schnitt am Jugulum. Dies ist im Vergleich zu konventionellen Operationen ein deutlich besseres kosmetisches Ergebnis. Die unterschiedlichen endoskopischen Operationen von axillär oder retroaurikulär sind mit einem deutlich höheren Aufwand, höheren Kosten und mehr Schmerzen verbunden. Sie finden aber aufgrund der fehlenden Halsnarbe weiterhin, vor allem im asiatischen Raum, große Verbreitung. Die Roboter-assistierte Operation wird in speziellen Zentren erfolgreich durchgeführt, allerdings mit hohem Kostenaufwand. Eine breite Durchsetzung dieser Methode in naher Zukunft ist daher unwahrscheinlich. Die transorale Thyreoidektomie ist bislang nur als experimentelles Verfahren zu bezeichnen, hier gilt es, die Ergebnisse größerer Fallstudien und kontrollierter klinischer Studien abzuwarten.

Autoren: S. Coerper
Weitere Informationen: Thoraxchirurgie, Herzchirurgie, Gefäßchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Autofluoreszenz der Nebenschilddrüsen, Gefäßversiegelung, Neuromonitoring, Roboterassistierte Schilddrüsenchirurgie, minimal-invasive Schilddrüsenchirurgie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Referenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie, Krankenhaus Martha-Maria Nürnberg