Appendizitis bei Kindern und Jugendlichen | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Die Appendizitis ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter mit erheblich unterschiedlichen Krankheitsbildern. Das Lebenszeitrisiko beträgt 7%. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei 10 bis 19 Jahren. Bei Kindern unter 5 Jahren zeigen sich hohe Perforationsraten bis über 80% und eine untypische Klinik. Die Diagnose basiert auf 3 Säulen: Klinik, Sonografie und Labor. Wiederholte Sonografien in der Beobachtungsphase (B-Mode und Duplex) verbessern die Treffsicherheit und können eine Progression der Erkrankung zeitnah identifizieren. Weiterführend wird in ausgewählten Fällen eine Abdomen-MRT indiziert. Epidemiologisch und klinisch unterscheidet man zwei Formen der Appendizitis: unkompliziert und kompliziert. Laut aktueller Evidenz ist die spontane Resolution einer unkomplizierten Appendizitis möglich und die Perforationen sind überwiegend – aber nicht ausschließlich – ein Ereignis vor der Krankenhausaufnahme. Bei unklaren Fällen ist eine stationäre Aufnahme mit engmaschigen Kontrollen zu empfehlen. Dieses Prozedere vermeidet Komplikationen und Fehldiagnosen. In Deutschland hat sich die laparoskopische Appendektomie als Goldstandard in der Appendizitis-Therapie etabliert. Die konservative Behandlung der unkomplizierten Formen mit oder sogar ohne Antibiotika scheint eine Alternative zu sein. Weitere Studien sind aber notwendig, um eine konkrete, sichere Empfehlung geben zu können. Ferner sollte das Ziel weiterer Forschung sein, die Appendizitis-Formen und Verläufe frühzeitig zu differenzieren, um die Grundlage einer individuellen Therapie zu schaffen.

Autoren: P. Reis Barbosa, C. Knorr
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Appendektomie, Appendizitis, Diagnostik, Kinderchirurgie, konservative Therapie
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Kinderchirurgie und Kinderorthopädie, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg