Gastrointestinale infantile Hämangiomatose bei einem Neugeborenen | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Blutige Stühle sind in der Neonatal- und jungen Säuglingszeit ein seltenes Symptom. Kuhmilchproteinintoleranz, Darminfektionen und nekrotisierende Enterokolitis sind relativ häufige Ursachen für blutige Stühle in dieser Altersklasse. Sollten die klinischen, laborchemischen und sonografischen Untersuchungen keinen Hinweis auf eine der genannten Erkrankungen bringen, müssen sehr seltene Krankheitsbilder, wie die intestinale Hämangiomatose, erwogen werden. In unserem Fall fiel eine ausgeprägte Anämie mit Notwendigkeit mehrerer Erythrozytentransfusionen auf. Zudem fanden sich in der Abdomensonografie eine ausgeprägte Hypervaskularisation und eine ausgedehnte, generalisierte Verdickung der Darmwände – sonomorphologisch damit passend zu dem Bild einer ausgeprägten, unspezifischen Inflammation des Darms. Nach unauffälliger Gastro- und Koloskopie konnte in der MRT des Abdomens ebenfalls eine diffuse Wandverdickung und Kontrastmittelanreicherung insbesondere des Dünndarms ohne Nachweis einer Gefäßmalformation gezeigt werden. Unter dem Verdacht auf Vorliegen einer gastrointestinalen infantilen Hämangiomatose begannen wir eine Therapie mit 2 mg/kg Propranolol. Hierunter kam es rasch zu einem Sistieren der Blutung. Damit konnte auf eine chirurgische Diagnostik/Intervention verzichtet werden. Häufig wurde in der Vergangenheit die Diagnose erst anhand des makro- und mikroskopischen Darmresektats gestellt. Das Mädchen ist mittlerweile 10 Monate alt und gedeiht und entwickelt sich sich unter Propranololtherapie sehr gut.

Autoren: J. Kittel, T. Lang, F. Hellerbrand, J. Röhm, M. Melter
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Hämangiomatose, Propranolol, Säugling, intestinal
ISSN: 0009-4846
Institut: Kinderuniversitätsklinik Ostbayern (KUNO) - Standort St Hedwig, Regensburg; Klinik für Kinder und Jugendliche, Klinikum Fürth