Immunescape- Mechanismen bei onkologischen Erkrankungen | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Nach aktuellem Stand der Forschung wissen wir, dass das intakte Immunsystem eine Doppelrolle in der Kanzerogenese einnimmt: Einerseits kann das Immunsystem maligne Zellen erkennen und effektiv eliminieren, andererseits unterstützt das Immunsystem die Tumorprogression, indem es durch passive Selektionsprozesse diejenigen Tumorzellen fördert, die der Zerstörung durch das Immunsystem entkommen können. Man geht von einem fließenden Prozess aus, an dessen Anfang die komplette Tumoreliminierung steht und am Ende das Tumorentkommen (»escape«). Dies fasst man unter dem Konzept des Immuneditings zusammen. Zu den Mechanismen, die es den Tumorzellen ermöglichen, dem Immunsystem zu entkommen, zählt zunächst die Verminderung der Antigenpräsentation. Der zweite Immunescape-Mechanismus ist die Schaffung eines immunsuppressiven Mikromilieus im Tumor. Als Drittes zählt man dazu den aktiven Angriff des Tumors gegen die Immunzellen bzw. die Inhibition eines gegen den Tumor gerichteten Angriffs der Immunzellen. Das in letzter Zeit gewonnene Wissen um diese Prozesse bietet eine vielversprechende Chance für neue Therapieoptionen wie beispielsweise unterschiedliche Vakzinierungsstrategien oder die Gabe von Checkpoint-Inhibitoren.

Autoren: A. von Au
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengruppe Oberfranken, Immunsystem - Immunediting - Immunescape-Mechanismen
ISSN: 0009-4846
Institut: Universitätsfrauenklinik Heidelberg