Physikalische Therapie des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) | chirurgische praxis Band: 84

Zusammenfassung: Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) tritt gelegentlich nach Verletzungen im Bereich der Extremitäten auf. Die Pathogenese ist bislang noch weitgehend ungeklärt. Bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung eines CRPS sind eine Vielzahl unterschiedlicher Vorgänge beteiligt, die sich gegenseitig beeinflussen. Entscheidend für die Prognose ist nach wie vor eine frühe Diagnosestellung und Einleitung einer adäquaten Therapie. Das klinische Bild eines CRPS kann interindividuell teilweise stark differieren und im Verlauf finden sich oftmals intraindividuell unterschiedliche Symptome. Es findet sich ein Symptomenkomplex mit chronischen, abnormal starken Schmerzen auch außerhalb der unmittelbaren Traumastelle sowie autonomen, sensomotorischen und trophischen Störungen. Die Ausprägung der Symptome und der zeitliche Verlauf stehen nicht im Verhältnis zu der Schwere der schädigenden Ursache. Die Diagnose »CRPS« ist in erster Linie eine klinische Diagnose, orientiert an den »Budapest-Kriterien« der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP). Anamneseerhebung, die klinisch-orthopädische und neurologische Untersuchung sind die entscheidenden Schritte in der Diagnosefindung. Technische Untersuchungen dienen in der Regel nur der differenzialdiagnostischen Abgrenzung. Einen spezifischen diagnostischen Test für CRPS gibt es nicht. Die Wirksamkeit eines interdisziplinären Rehabilitationsansatzes ist seit langem belegt. Physiotherapie, Ergotherapie sowie verhaltenstherapeutische Maßnahmen und neurokognitive Therapiemethoden haben einen festen Stellenwert in der Behandlung des CRPS. Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes, der unsicheren Prognose und der Multimodalität der Therapie sollte die Schmerzrehabilitation in spezialisierten Zentren erfolgen, wenn ambulant keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bestehen oder kurzfristig keine Schmerzreduktion bzw. Funktionsverbesserung eintritt.

Autoren: S. Simmel
Weitere Informationen: Benachbarte Gebiete, Mediengruppe Oberfranken, Morbus Sudeck, Physiotherapie, Rehabilitation, Schmerztherapie, Spiegeltherapie
ISSN: 0009-4846
Institut: BG Rehabilitation, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau