Indikationen zur Metastasenchirurgie der Leber | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Die Indikation zur Resektion von Lebermetastasen (LM) hängt neben technischen/funktionellen Aspekten in erster Linie von onkologischen Überlegungen ab. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei natürlich dem Primärtumor zu. Konsens besteht, dass für resektable kolorektale Lebermetastasen (CRLM) die operative Entfernung die Therapie der Wahl darstellt. Dies gilt auch für die Rezidivsituation. Dabei stellt selbst eine (limitierte) extrahepatische Tumorformation keine Kontraindikation dar, sofern auch diese komplett entfernt werden kann. Das Ziel der Resektion von CRLM ist das Erreichen einer R0-Situation. Aber selbst eine R1-Resektion erscheint prognostisch günstiger als andere Therapieverfahren, insbesondere, wenn die CRLM auf eine präoperative Chemotherapie angesprochen haben. Für Lebermetastasen eines neuroendokrinen Tumors (NET) ist ebenfalls die R0-Resektion anzustreben. Jedoch können Patienten auch von einer R2-Resektion (sog. Tumordebulking von >90 % der Tumormasse) profitieren, wenn die Haupttumorlast entfernt und dadurch hormonelle Symptome gelindert werden. Eine Indikation zur Leberresektion besteht vor allem bei Patienten mit NET (Ki-67 ≤20; G1–G2). Bei Patienten mit einem Ki-67-Index >20 % unterscheidet man NET G3 und NEC (neuroendokrine Karzinome) G3. Während Patienten mit einem NET G3 von einem chirurgischen Eingriff profitieren, ist bei Patienten mit einem NEC G3 keine Verbesserung der Prognose durch eine chirurgische Resektion der LM zu erwarten. NCR-NNE (nichtkolorektale-nichtneuroendokrine) Tumoren metastasieren häufig nicht nur in die Leber, sondern oftmals diffus auch in andere Organsysteme. Vor diesem Hintergrund ist die interdisziplinäre Therapieplanung und Einbindung der Leberresektion in individualisierte Therapiekonzepte bei NCR-NNE Metastasen besonders wichtig. Allerdings sollte in Abhängigkeit gewisser prognostischer Faktoren bei isolierter hepatischer Metastasierung eine Metastasenresektion zumindest auch für Metastasen eines GIST (gastrointestinaler Stromatumor), eines Mammakarzinoms und seltener Magen- oder Pankreaskarzinome in Erwägung gezogen werden, sofern eine vollständige Resektion möglich ist. Metastasen anderer NCR-NNE Tumoren, wie die Metastasen eines Melanoms, erscheinen für eine Leberresektion nur in Ausnahmefällen geeignet. Da keine einheitlichen Richtlinien für die Resektabilität von LM bestehen, sollten Patienten mit LM großzügig zur Zweitmeinung in einem Zentrum für Leberchirurgie vorgestellt werden. Dies gilt für eine primäre Lebermetastasierung ebenso wie auch für die Frage der sekundären Resektabilität und die Operation bei Rezidivmetastasen.

Autoren: H. Lang, T. Huber, F. Watzka, J. Theurer, P. Gaßmann, T. J. Musholt, S. Heinrich
Weitere Informationen: Viszeralchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Leberchirurgie, Lebermetastasen, kolorektales Karzinom, neuroendokrine Tumoren
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz