Therapeutisches Vorgehen bei Frakturen und ligamentären Verletzungen des Mittelgelenkes an der Hand | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Patienten und erstbehandelnde Ärzte unterschätzen Verletzungen der Fingermittelgelenke häufig – mit der Folge unbefriedigender Ergebnisse. Eine erfolgreiche Behandlung basiert auf einer sorgfältigen klinischen und radiologischen Diagnostik sowie anatomischen und biomechanischen Kenntnissen des PIP-Gelenkes. Verletzungen der Kollateralbänder oder der palmaren Platte mit und ohne knöcherne Beteiligung werden bevorzugt nicht-operativ behandelt. Knöcherne Ausrisse oder gedeckte Rupturen des Mittelzügels erfordern die Refixation, Naht oder Rekonstruktion. Die Beseitigung der Subluxation und die Wiederherstellung der Stabilität haben bei Basisfrakturen der Mittelphalanx Priorität. Sind die Fragmente zu klein für eine Fixierung durch Standardimplantate kommt eine Reihe alternativer Verfahren infrage. Erfolgsentscheidend ist eine frühzeitige Bewegungstherapie. Eine unzureichende Behandlung führt zu anhaltenden Schwellungen, Instabilitäten und Bewegungseinschränkungen, die schwierig zu behandeln sind. Dazu tragen unnötig lange Ruhigstellung, Ruhigstellung in >20°-Beugung oder Transfixation mit Kirschnerdrähten bei. Bei anhaltenden Einschränkungen sind die nicht-operative Behandlung mit Physiotherapie und Ergotherapie sowie Schienen Mittel der Wahl. Die operative Therapie durch rekonstruktive oder Rückzugsverfahren ist anhaltenden Beuge- und Streckkontrakturen (>6 Monate), Knopfloch- und Schwanenhalsdeformitäten sowie irreversiblen Gelenkschäden vorbehalten.

Autoren: T. Pillukat, J. Windolf, J. van Schoonhoven
Weitere Informationen: Unfall-, Hand- und plastische Chirurgie, Orthopädie, Mediengruppe Oberfranken, Fraktur, Komplikation, Luxation, Proximales Interphalangealgelenk, Rekonstruktion
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Handchirurgie, Bad Neustadt/Saale; Klinik für Unfall- und Handchirurgie, Universitätsklinikum Düsseldorf