Die Chagas-Krankheit | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Durch globale Migrationsbewegungen gelangt auch der Erreger der Chagas-Erkrankung – Trypanosoma cruzi (T. cruzi) – nach Europa. T. cruzi wird in endemischen Gebieten durch Raubwanzen übertragen und führt zu einer akuten und unbehandelt zu einer chronischen Infektion. Diese führt in ca. einem Drittel der Fälle zu Komplikationen mit kardialen und gastrointestinalen Organschäden. In Gebieten, in denen der Vektor nicht vorkommt, kann die Infektion durch Bluttransfusionen, von der Mutter auf das Kind und durch Organtransplantation übertragen werden. Bei Patienten mit lateinamerikanischer Herkunft sollte an eine mögliche Infektion mit T. cruzi gedacht werden und eine serologische Diagnostik als Screening erfolgen. Im Falle eines positiven Tests sollten weitere Untersuchungen zum Ausschluss von Organkomplikationen durchgeführt und der Patient anschließend für eine antiparasitäre Therapie evaluiert werden. Benznidazol und Nifurtimox stehen für diese Therapie zur Verfügung. Die Therapie sollte in Zentren erfolgen, die mit der Behandlung der Chagas-Krankheit und deren Komplikationen vertraut sind. Das Deutsche Chagas-Projekt ElCiD möchte die Aufmerksamkeit in Deutschland für diese vernachlässigte Tropenerkrankung erhöhen und bietet ein niederschwelliges Beratungs-, Diagnostik- und Behandlungsangebot für Menschen mit lateinamerikanischem Migrationshintergrund an. Besondere Zielgruppen des Projekts sind Kinder, Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und Menschen mit Bereitschaft zur Blut- oder Organspende mit lateinamerikanischem Migrationshintergrund.

Autoren: M. Bender, M. Pritsch, S. Parisi, T. Zoller
Weitere Informationen: Medizin und Umwelt, Mediengruppe Oberfranken, Benznidazol/ Nifurtimox, Chagas-Kardiomyopathie, Deutsches Chagas- Projekt (ElCiD), Trypanosoma cruzi
ISSN: 0009-4846
Institut: Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Evangelisches Krankenhaus Kalk, Köln; Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Universitätsklinikum München; Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., Würzburg; Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin