Die chirurgische Korrektur prämaturer Kraniosynostosen | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Prämature Kraniosynostosen führen – je nachdem welche Schädelnaht betroffen ist und in welchem Schwangerschaftszeitraum sie entstanden sind – sowohl zu kraniellen als auch kraniofazialen Formveränderungen unterschiedlicher Ausprägung. Es können einzelne oder mehrere Schädelnähte betroffen sein. Am häufigsten und daher klinisch am bedeutsamsten sind singuläre bzw. einfache Synostosen der Sagittal-, der Metopica-, der Koronar- (einseitig) und der Lambdanaht (einseitig). Eine konservative Behandlung einschließlich Orthesenbehandlung (Helmtherapie) bleibt in aller Regel ohne Erfolg. Daher muss eine dauerhafte Korrektur einer solchen Kraniostenose und einer eventuell begleitenden Orbitaraumminderung operativ erfolgen. Erfolgt eine solche Operation zwischen dem 4. und 8. Lebensmonat, kann eine ästhetische kraniofaziale Korrektur bis hin zur Normocephalie mit ungehinderter Volumenzunahme und Entwicklung des Gehirns sowie der intraorbitalen Strukturen erreicht werden. Eine spätere Korrektur, z.?B. nach dem 2. Lebensjahr, ist aus technischen Gründen komplizierter (evtl. Notwendigkeit mehrerer Eingriffe) und oft weniger erfolgreich. Bei der Entscheidungsfindung für eine operative Korrektur spielen nicht nur ästhetische Aspekte eine Rolle. Ob isolierte Kransiosynostosen mit einer erhöhten Rate von neurokognitiven Problemen oder Verhaltensauffälligkeiten einhergehen, ist nicht bekannt. Für Patienten mit sog. syndromalen Kraniosynostosen konnte aber ein erhöhtes Risiko für intellektuelle Einschränkungen, Verhaltensstörungen sowie Aufmerksamkeitsprobleme nachgewiesen werden. Das Risiko für eine intrakranielle Drucksteigerung wird bei syndromalen Kraniosynostosen mit 30–50 % und bei nicht syndromalen Formen mit 8–20 % angegeben. Das rechtzeitige Erkennen und die effektive Behandlung einer intrakraniellen Druckerhöhung bei solchen Patienten sind wichtig, um dadurch bedingte intellektuelle und neurologische Schädigungen sowie einen irreversiblen Sehverlust zu vermeiden.

Autoren: J. F. Wilbrand, L. Schwertel , H. P. Howaldt, K. Graf, A. Hahn, P. Christophis
Weitere Informationen: Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Mediengruppe Oberfranken, Kraniosynostosen, Schädel, Suturensystem
ISSN: 0009-4846
Institut: Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Gießen; Abteilung für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Gießen; Abteilung für Kinderneurologie, Sozialpädiatrie und Epileptologie, Universitätsklinikum Gießen