Leistenhernienversorgung mit dreidimensionalen Netzen | chirurgische praxis Band: 85

Zusammenfassung : Bei der OP-Aufklärung jedes einzelnen Hernienpatienten sollten grundsätzlich sowohl endoskopische, offene anteriore, offene posteriore, offene dreidimensionale als auch netzfreie OP-Verfahren miteinander abgewogen und zum Wohle des Patienten entschieden werden. Die Vorteile der dreidimensionalen Technik (Gilbert-Technik) sind: • Ein einfacher, sicherer, aber auch minimierter offener operativer Zugangsweg • Das komplette Abdecken des gesamten »myopectineal orifice« (MPO nach Fruchaud) • Eine minimierte Fixation durch die selbstarretierende dynamische Netzprothese Insbesondere für ausgedehnte kombinierte oder Skrotalhernien mit aufgebrauchter Leistenkanalhinterwand stellt die Gilbert-Technik weiterhin eine gute Alternative bei der operativen Versorgung dar. Folgende Dinge sollten dabei stets beachtet werden: • Alle potenziellen Lücken (direkt, indirekt und femoral) sollten stets intraoperativ geprüft werden. • Aufgrund des Risikos chronischer Schmerzen sollte möglichst, insbesondere bei jüngeren Patienten, auf materialintensive Netzimplantate verzichtet werden. • Ein standardisiertes Vorgehen mit exakter OP-Technik ist essenziell. • Eine begleitende Qualitätssicherung sollte die eigene Ergebnisqualität stets reflektieren. Die Ergebnisse der multizentrischen Beobachtungsstudie in Deutschland bestätigen die exzellente Ergebnisqualität der Gilbert-Technik. Bezüglich der dreidimensionalen Netze sei somit ein kritischer Umgang mit den internationalen HerniaSurge-Leitlinien gestattet, da es keine wissenschaftliche Grundlage für deren Empfehlungen zu geben scheint. Auch durch neuere Studien konnten die durch die HerniaSurge-Experten angenommenen Nachteile dreidimensionaler Netzimplantate bisher nicht bewiesen werden. Es scheint in den Publikationen der letzten Jahre dagegen eher Hinweise zu geben, dass die Ergebnisqualität nach dreidimensionalen Netzimplantaten tendenziell besser sein könnte. Darüber hinaus behält jeder Chirurg trotz bestehender Leitlinienempfehlungen seine persönliche Behandlungsfreiheit abhängig von seiner eigenen Erfahrung.

Autoren: R. Lorenz, M. G. Wiese, I. Wieber, A. Koch
Weitere Informationen: Ambulante Chirurgie, Notfälle, Mediengruppe Oberfranken, Hernien-Operationstechnik, Hernienregister, Leistenhernie, offene Netzversorgung
ISSN: 0009-4846
Institut: Hernienzentrum, Praxis 3+CHIRURGEN, Berlin-Spandau; Chirurgische Gemeinschaftspraxis, Gesundheitszentrum Kelkheim; Hernienzentrum am Rudolfplatz, Köln; Chirurgische Praxis, Ärztehaus Nord am TKC, Cottbus