internistische praxis

Jahr: 2016 - Band: 56 - Heft: 2 - Startseite: 253

Differenzialtherapie von frühen Neoplasmen des Ösophagus

Autoren: F. M. Corvinus, P. P. Grimminger und H. Lang

Zusammenfassung

In den vergangenen Jahren haben sich die Therapiemöglichkeiten der frühen Ösophagusneoplasien maßgeblich verändert. Dabei bestätigte sich die Sicherheit und Effektivität der ursprünglich in Japan entwickelten endoskopischen Resektionsverfahren durch eine Vielzahl europäischer und nordamerikanischer Studien, so dass deren Anwendung in die entsprechenden Leitlinien aufgenommen wurde. Prognoseentscheidend und für die endoskopische Therapie limitierend ist dabei die Tiefe der Tumorinfiltration, die mit dem Risiko einer lymphatischen Metastasierung korreliert. Für das Adenokarzinom wird nach Ausschluss fest definierter Risikofaktoren eine endoskopische Resektion bis zu einer Submukosainfiltration des oberen Drittels empfohlen. Aufgrund einer früheren Lymphknotenmetastasierung gilt dies nur für Plattenepithelkarzinome, die auf die Mukosa beschränkt sind und die Muskularis mukosae nicht infiltrieren. Doch auch die Therapiestrategien der präkanzerösen Schleimhautveränderungen von der Refluxösophagitis bis zur High Grade Barrett Dysplasie sind umfangreicher geworden. Aufgrund der guten Symptomkontrolle und der bereits mehrfach publizierten teils regressiven Effekte einer Antirefluxplastik sollten die Patienten neben der konservativen Therapie mit Protonenpumpenhemmern auch hinsichtlich einer chirurgischen Intervention evaluiert und beraten werden. Die Low Grade Barrett Dysplasie wird oft pathologisch fehlinterpretiert und bedarf daher einer referenzpatholgischen Untersuchung. Aufgrund eines hohen Progressionsrisikos wird eine Radiofrequenzablation empfohlen. Bei einer High Grade Dysplasie sollte prinzipiell ein resezierendes endoskopische Verfahren gewählt werden, um letztlich eine möglichst exakte Beurteilung der Tiefeninfiltration zu erhalten. Trotz der steigenden Inzidenz der Adenokarzinome ist eine endoskopische Resektion nur bei einer limitierten Anzahl der Patienten möglich, so dass eine konsequente Diagnostik und Therapie präkanzeröser Veränderungen notwendig ist.