internistische praxis

Jahr: 2016 - Band: 56 - Heft: 2 - Startseite: 287

Diagnostik und Differenzialdiagnostik der Eisenmangelanämie

Autoren: H. T. Steinmetz und G. F. L. Steinmetz

Zusammenfassung

Eisenmangel gehört weltweit zu den häufigsten Krankheiten und entwickelt sich in drei Stufen. Sind die Eisenspeicher leer ist Ferritin vermindert (fl30 ng/ml) und man spricht vom Speichereisenmangel. In der zweiten Stufe wird zu wenig Eisen an Transferrin gebunden zu den Funktionsbereichen transportiert (Transferrin Sättigung vermindert), so dass die Erythropoese aber auch Muskelzellen und andere Systeme zu wenig Eisen erhalten. Dies wird Eisendefizitäre Erythropoese genannt und kann bereits mit erheblichen Symptomen einhergehen. In der dritten Stufe fällt der Hämoglobinwert unter die Geschlechts- spezifische Norm und man spricht von Eisenmangelanämie. Von der absoluten Verminderung des Körpereisens muss der funktionelle Eisenmangel abgegrenzt werden. Jegliche Entzündungsreaktion führt zu einem Anstieg von Hepzidin, einem in der Leber gebildeten Protein, das Eisen in den Zellen einschließt. Trotz voller Eisenspeicher gelangt deshalb zu wenig Eisen in das Knochenmark, so dass genauso wie beim absoluten Eisenmangel eine Eisen-defizitäre Erythropoese resultiert. Jede Form des Eisenmangels sollte behandelt werden. Dabei ist zu beachten, dass die physiologische orale Eisenaufnahme im Falle einer Entzündungsreaktion erheblich reduziert ist, weil bei erhöhten Hepzidin-Spiegeln das Eisen die Darmendothelien nicht mehr verlassen kann. Eisen sollte in diesem Fall i.v. substituiert werden.